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Der junge Törleß, Sohn eines Hofrats, tritt in ein altehrwürdiges Konviktein, in dem die Sprösslinge der oberen Familien des Landes auf den Militär-oder Staatsdienst vorbereitet werden. Das Zusammenleben der Schüler istvon pubertären Nöten und homoerotischen Beziehungen geprägt. Törleß befindetsich in diesem Konvikt zunächst in einer komplizierten, von Depressionengeprägten Situation. Er empfindet sein Leben als sinnlos und sehnt sichnach einem anderen Dasein, von dessen Gehalt und Form er sich allerdingskeine rechte Vorstellung machen kann. Ausbruchsversuche aus der behüteterscheinenden Bürgerwelt, eine Begegnung mit einer Dirne lösen in ihm heftigeGefühle aus, bringen jedoch keine Erfüllung. Das verhängnisvolle Geschehensetzt ein, als Basini, ein weicher, in seiner Entwicklung zurückgebliebenerJunge, von Mitschülern des Kameradendiebstahls überführt wird. Statt ihnder Internatsleitung zu melden, beschließen die Zöglinge Beineberg undReiting, die Bestrafung und Läuterung des Jungen selbst vorzunehmen. Derfeinfühlige Törless, neugierig auf das Bösartige und Vulgäre, das die beidenverkörpern, beteiligt sich - angezogen und abgestoßen von dem Geschehenzugleich - eine Zeit lang an den Peinigungen und Demütigungen des SchülersBasini. In Törleß' Gegenwart wird er geprügelt, erniedrigt und zu homosexuellenDiensten missbraucht. Erst als sich die Quälereien zum Lynchexzess steigern,wendet Törleß sich ab und erreicht infolge einer vorgetäuschten Fluchtdie Entlassung aus der ungeliebten Anstalt und die Rückkehr zu seiner Familie.
Die oft gelobte Kühnheit Musilscher Psychologie zeichnet schon dies erste Werk aus. Es ist die ungewöhnliche, subtile Pubertätsstudie, in der Musil seine Erfahrungen als Kadett einer k. u. k. österreichischen Militärerziehungsanstalt auswertete. Eine scharfsichtig genaue, glasklare Interpretation jugendlichen Wachstums, die zugleich das Bild kommender Diktatur und der Vergewaltigung des einzelnen durch das System visionär verzeichnet.

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«Ganz ok, aber anspruchsvoll»
von Alana
aus Kleve
(02.06.2009):Als Pflichtstoff in der Schule durchgenommen. Zuerst lästig, im Nachhinein gar nicht so schlimm ^^
Zur Handlung an sich will ich gar nichts sagen. Ich fand allerdings, dass sich diese ewig hinzieht durch die oft seitenweisen Innenansichten von Törleß. Eben ein waschechter Bewusstseinsroman, bei dem die Handlung in den Hintergrund tritt und stattdessen die inneren Vorgäne des Protagonisten in den Vordergrund gestellt werden.
Dadurch und durch die Sprache ein anspruchsvolles Buch.
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«Intelligent, aber nicht mein Fall...»
von Zitronenblau
Musil gilt bei einigen als größter Romancier des 20. Jahrhunderts. Töleß' Verwirrungen werden sehr expressionistisch herausgearbeitet, was ich persönlich nicht leiden kann, da die Handlung sekundär und damit eine eventuelle Spannungskurve im Verlauf flach gehalten wird. Was bleibt nun noch? Die Entwicklung eines sentimentalen, in Ansätzen intellektuellen Jungen, der Homoerotik, Gruppendynamik (hierarchische Konstellationen z.B. zwischen Reiting/Beineberg und den unterdrückten Basini), aber auch Selbstreflexion u.a. kennenlernt. Schön für ihn! Ich persönlich konnte mich damit weniger identifizieren, auch die Unterdrückungsversuche widerten mich an, da Musil diese durch die Charaktere nicht wirklich handlungs- und ergo spannungsgerecht, sondern nüchtern und abstoßend aufbaut à la Perversion ist eo ipso Perversion und damit hat sich jede weitere Entwicklung oder Analyse hiermit erledigt. Das ist zwar in Bezug auf den Protagonisten Törleß gerechtfertigt, da es ja um ihn geht, aber auch seine Verwirrungen sind Dinge, die ich persönlich verstehe, aber eben als notwendig erachte... Die philosophische Sehnsucht nach Antworten deutet eher auf eine anfänglich unheimliche Dämonie hin, die der junge Zögling in sich trägt. Lange Rede, kurzer Sinn: expressionistischer Sprachstil ist Geschmackssache (hatte mal mit Benns "Gehirne" zu tun, furchtbar!!!), dennoch sehr psychologisch und intelligent, die Handlung ist kurz und teilweise abstoßend, da andere Charaktere nicht reflektiert werden und sie damit nicht erklärt wird. Musste mich teilweise sehr durchquälen, denn die Entwicklung des Musil'schen Versuchsobjektes und vor allem seine Erkenntnis bleiben für mich persönlich nur ein Gähnen wert. Vielleicht bin ich zu alt für das Buch, ich bin 23 Jahre, oder aber ich kann mich schlicht und ergreifend nicht damit identifizieren. Für Musil war es wichtig und auch gut so, für mich schon leider eher eine Quälerei...
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