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Der Appetit kommt beim Blättern!

Reisen in ferne Küchen

Beim Kochen und beim Essen geht es nicht nur um Ernährung - sondern auch um ein Erlebnis. Und dieses Erlebnis ist umso grösser, je mehr man es mit Freunden und Familienangehörigen teilen kann. Diesen Aspekt stellen viele Autorinnen und Autoren bei ihren neuen Kochbüchern in den Vordergrund. Andere wenden sich an eine klar definierte Zielgruppe, um deren Bedürfnissen besser gerecht zu werden. Zu den Klassikern gehören schliesslich Kochbücher, welche die Küche eines Lands vorstellen - sie verbinden kulinarischen Genuss mit Feriengefühl. Wir stellen Neuerscheinungen aus all diesen Bereichen vor.

Die Bücher über exotische Küche machen besonders Freude, weil sie Erinnerungen an die Ferien oder die Vorfreude auf die nächste Reise wecken.

Zu den Klassikern der Kochbücher gehören Rezeptsammlungen einzelner Länder oder Regionen. Sie sind nicht zuletzt beliebt, weil sie einen dank meist prächtigen Fotografien bereits beim Durchblättern in dieses Gebiet versetzen. Steigen dann noch die Düfte der Speisen auf, werden Erinnerungen an eine vergangene Reise wach oder wird die Vorfreude auf kommende Ferien geweckt. Gut gemachte Kochbücher wie «Zu Gast in Marokko» vermitteln auch einen kulturellen und gesellschaftlichen Eindruck. Die Autoren Rob und Sophia Palmer beschreiben auf sehr persönliche Weise, wie sie sich von der Magie Marokkos einnehmen liessen, dem Land von Sophias Mutter. Diese menschliche Seite zeigt sich auch in den Fotos aus dem marokkanischen Alltag, was dem wunderschön aufgemachten Buch viel Authentizität und Lebendigkeit verleiht. Das Paar schildert immer wieder, wie gekocht wird, ob dies nun ein Bauernfrühstück oder in der Küche eines Hotelrestaurants ist. Entsprechend vielfältig sind die Rezepte, die das Land zudem als Schnittpunkt der Kulturen widerspiegeln.

Schwer auszusprechen, leicht gekocht

Die indische Küche ist in der Schweiz beliebt. Und doch werden im umfangreichen Kochbuch «Easy Indisch Vegetarisch» auch Kenner noch einige ihnen unbekannte Gerichte finden. Die Autorin Madhur Jaffrey empfiehlt etwa ein von Jägern und Sammlern erfundenes Kodava-Pilz-Curry mit Kokosnuss, das gleichzeitig süss, sauer, scharf und salzig schmecke. Diese Autorität der indischen Küche hat aber nicht nur viele Rezepte aus allen Teilen des Lands zusammengetragen. Sie erklärt auch den Hintergrund von einzelnen Lebensmitteln wie etwa Jaggery oder die Unterschiede zwischen Upma, Poha und Sooji. Madhur Jaffrey zeigt zudem auf, was die Leute in ihrem Alltag essen. Zudem präsentiert sie auch einige eigene Kreationen und die typischen Gerichte eines Ashrams. Sie betont, dass keines der über 200 Gerichte schwierig zuzubereitensei, räumt allerdings ein, dass manche viele Zutaten und viel Zeit benötigten.

Wenig bekannte Küche

Zwei neue Bücher über die indonesische Küche belegen, dass das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2015 auch kulinarisch überraschen kann. Viele Gerichte des Inselstaats zeigen neben regionalen Unterschieden auch chinesische, indische und niederländische Einflüsse. Diese Küche hat weit mehr als das auch hierzulande bekannte Nasi goreng (gebratener Reis) und Sambal oelek (Chilipaste) zu bieten. Gado gado (gemischtes Gemüse mit Erdnusssauce) mag einigen Touristen ein Begriff sein. Wer aber kennt etwa Tempeh, eine Art fermentierter Sojakuchen, der auch für Saté-Spiesschen verwendet wird? Köstlich ist auch Rendang Tahu, ein pikantes Curry mit gebratenem Tofu aus Sumatra. Die gebürtige Indonesierin Jenny Susanti betont in ihrem Kochbuch «Indonesisch vegetarisch» denn auch, dass vegetarisches Essen in ihrer Heimat eine lange Tradition hat und abwechslungsreich ist. Von derselben Autorin stammt das Buch «Bali & Java Street Food», das sie als «kulinarische Reiseskizzen mit vielen Rezepten» beschreibt. Jenny Susanti beschränkt sich hier auf Menschen und Gerichte, die sie in Garküchen und kleinen Restaurants auf dem muslimisch geprägten Java und dem hinduistisch geprägten Bali angetroffen hat. Auch zu diesem Buch hat Andreas Wemheuer eindrückliche Fotos von Landschaften, Tempeln, Märkten und Menschen beigesteuert.

von Markus Ganz

Books Nr. 4/2015, Das Magazin der Buchhandlungen von Orell Füssli