Kochbücher

«Ein Kochbuch regt die Kreativität an»

Nadja Zimmermann war jahrelang das Gesicht des Fernseh-Promimagazins «Glanz & Gloria». Mittlerweile ist sie zweifache Mutter, Bloggerin von familienhaeppchen.ch - und Kochbuchautorin. Soeben ist das dritte Buch ihrer Reihe «Unser Menü eins» erschienen: «Eine kulinarische Weltreise».

Books: Wie wurde aus der Fernsehmoderatorin die Kochbuchautorin Nadja Zimmermann?

Nadja Zimmermann: «Als meine erste Tochter etwa zwei Jahre alt war, merkte ich, dass mir beim Kochen die Ideen ausgingen. Ich hatte früher nur selten gekocht, war also nicht sehr geübt, und die Bedürfnisse ändern sich ja auch, wenn man Kinder hat: Plötzlich muss das Essen gesund und die Ernährung ausgewogen sein. Das sind Themen, die mich früher nicht gross gekümmert hatten. Ich begann andere Leute zu fragen, was es bei ihnen heute zum Znacht gibt oder wie sie kochen. Dabei merkte ich, wie viel man davon profitieren kann, wenn man anderen in den Kochtopf und auf den Teller schaut. Ich begann Tipps zu notieren, erst nur für mich, bis mir dann die Idee kam, meine Erkundungen für ein Buch zu nutzen. Das Konzept meiner Kochbücher basiert auf der Art, wie ich an die Informationen gelange: Ich gehe auf Menschen zu und frage sie, wie sie ihre liebsten Menüs zubereiten.»

Die Neuerscheinung «Eine kulinarische Weltreise» ist der dritte Band von «Unser Menü eins». Diesmal zeigen Sie hier lebende Familien mit ausländischen Wurzeln, die Alltagsgerichte aus ihren Herkunftsländern kochen. Mittlerweile haben Sie 135 Familien porträtiert. Wie finden Sie bloss all diese Leute?

«Zu Beginn befragte ich meine Bekannten, mittlerweile hat sich die Sache aber ausgeweitet. Ich bekomme Tipps von Freunden oder schaue zum Beispiel, welche Nationalitäten auf den Klassen- oder Krippenlisten meiner Kinder auftauchen. Es ist jedenfalls noch nie schwierig gewesen, Teilnehmende zu finden. Die meisten machen gern mit und freuen sich, ihre Rezepte vorzustellen.»

Sie sind zwar eine Kochbuch-Bestsellerautorin, aber eigentlich nicht vom Fach. Im berühmten Pixar-Trickfilm «Ratatouille» sagt Sternekoch Gusteau: «Jeder kann kochen.» Kann denn auch jeder und jede ein Kochbuch schreiben?

«Ich denke schon. Man muss einfach eine gute Idee haben, ein interessantes Thema. Kurze Texte zu verfassen finde ich einfacher, als einen Bogen über viele Seiten schlagen zu müssen. Ein Roman schreibt sich viel schwieriger als ein Kochbuch.»

Fraglos anspruchsvoll ist aber, Menüs so zu fotografieren, dass sie appetitlich wirken - bei den meisten Fastfood-Ständen sieht man ja abschreckende Beispiele zuhauf. Die tollen Fotos in Ihren Büchern stammen alle von Ihnen. Warum können Sie so gut fotografieren?

«Ich denke schon. Man muss einfach eine gute Idee haben, ein interessantes Thema. Kurze Texte zu verfassen finde ich einfacher, als einen Bogen über viele Seiten schlagen zu müssen. Ein Roman schreibt sich viel schwieriger als ein Kochbuch.»

Eine kulinarische Weltreise

Internationale Familien und ihre Lieblingsrezepte

Wenn Gäste kommen

Familien kochen für Familien

Dort findet man ja sowieso alles - auch Millionen von Rezepten. Warum braucht es heute überhaupt noch Kochbücher?

«Das Internet ist ideal, wann man gezielt nach etwas sucht - wenn man zum Beispiel einen grossen Kürbis hat und nichts damit anzufangen weiss. Aber gerade die riesige Zahl an Rezepten im Netz macht die Selektion schwierig; ein Buch erscheint mir da die bessere Inspirationsquelle. Ich selber bin ohnehin kein sehr digitaler Mensch. Ich liebe Kochbücher, auch deshalb, weil man hineinschreiben kann.»

Ist ein Buch aber nicht eine gewisse Kreativitätsbremse: Man kocht nach Rezept, statt sich selber etwas auszudenken?

«Im Gegenteil! Ein Kochbuch regt die Kreativität an. Man sollte die Rezepte, die man dort findet, unbedingt variieren. Ich koche nie sklavisch nach Rezept, sondern schaue die Zutaten an und lasse mich dadurch inspirieren. Natürlich geht dann manchmal auch etwas daneben - und dann denke ich: Ach, hätte ich mich doch ans Rezept gehalten! Aber das würde mir einfach weniger Spass machen.»

Sind Sie eigentlich eine gute Köchin?

«Mittlerweile sind manche Leute nervös, wenn sie mich einladen - huch, die Kochbuchautorin kommt! Aber das ist natürlich Quatsch. Ich bin als Köchin inzwischen sicher ganz okay, weil ich von vielen Leuten sehr viel lernen konnte. Aber ich habe noch einen weiten Weg vor mir, bis ich eine wirklich gute Köchin bin.»

Wovon wird der vierte Band von «Unser Menü eins» handeln?

«Keine Ahnung. Sicher ist, dass es wieder ein übergeordnetes Thema geben wird. Mir gefällt, von Alltagserfahrungen zu berichten, welche die Leute in der Küche machen. Ich glaube, davon profitieren die Leserinnen und Leser am meisten. Bücher mit schicken Menüs gibt es ja schon genug.»

von Marius Leutenegger

Books Nr. 4/2015, Das Magazin der Buchhandlungen von Orell Füssli