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Hundert Tage

Roman. Ausgezeichnet mit dem Mara-Cassens-Preis für den ersten Roman 2008
KurzbeschreibungDie Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ruanda eines der größten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Der Roman zweier Menschen, die im Chaos ihrer Zeit um ihre Unschuld kämpfen. Ruanda, April 1994, in Kigali wütet der Mob. David, Mitarbeiter der Schweizer Entwicklungshilfe, ... weiterlesen
  • buch.ch-Verkaufsrang:18.082
  • Kundenbewertung:Bewertung
  • ISBN-10:3-8353-0271-X
  • EAN:9783835302716
  • Veröffentlichungsdatum:März 2008
  • Einband:gebunden
  • Verlag:Wallstein
  • Gewicht:303 g
  • Abbildungsvermerk:20,5 cm
  • Sprache:Deutsch
  • Seiten:198

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Leseprobe aus: "Hundert Tage"

Auf der Terrasse des Hotels des Grands Lacs fand jeden Morgen die Versteigerung der Toten statt, die Zahlen wurden an die drängelnden Presseleute verkauft, und die Vertreter der Hilfsorganisationen benahmen sich wie Jahrmarktsschreier, bemüht, möglichst hohe Opferzahlen präsentieren zu können, denn eine große Zahl in den Schlagzeilen bedeutete eine große Zahl auf ihrem Spendenkonto ... Ich habe in den Jahren danach versucht, jede Aufregung von meinem Leben fernzuhalten, und nur manchmal, wenn ich all die klugen Leute höre und all die schlauen Bücher lese, die seither über diese Zeit geschrieben wurde, dann suche ich in den Stichwortregistern meinen Namen, auch den Namen des kleinen Paul, den Eintrag unter Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe, und wenn ich ausnahmsweise fündig werde, dann steht da höchstens, dass wir dort gewesen sind, und vielleicht noch, dass wir von allen Nationen das meiste Geld in dieses Land gesteckt haben. Unser Glück war immer, dass bei jedem Verbrechen, an dem je ein Schweizer beteiligt war, ein noch größerer Schurke seine Finger im Spiel hatte, der alle Aufmerksamkeit auf sich zog und hinter dem wir uns verstecken konnten. Nein, wir gehören nicht zu denen, die Blutbäder anrichten. Das tun andere. Wir schwimmen darin. Und wir wissen genau, wie man sich bewegen muss, um obenauf zu bleiben und nicht in der roten Soße unterzugehen. [...]

Kurzbeschreibung zu: "Hundert Tage"

Die Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ruanda eines der größten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Der Roman zweier Menschen, die im Chaos ihrer Zeit um ihre Unschuld kämpfen. Ruanda, April 1994, in Kigali wütet der Mob. David, Mitarbeiter der Schweizer Entwicklungshilfe, hat das Flugzeug, mit dem die letzten Ausländer evakuiert wurden, abfliegen lassen. Er versteckt sich hundert Tage in seinem Haus, vom Gärtner mit Nahrung versorgt - und mit Informationen über Agathe, Tochter eines Ministerialbeamten, die der Grund für sein Bleiben ist. Die vergangenen vier Jahre ihrer Liebe ziehen ihm durch den Kopf, die Zeit, die er als Entwicklungshelfer in Kigali verbrachte. Millionen wurden in ein totalitäres Regime gepumpt, das schließlich, als es die Macht an eine Rebellenarmee zu verlieren drohte, einen Genozid organisierte. Auch David wurde zum Komplizen der Schlächter, und als die Aufständischen Kigali einnehmen, flieht er mit den Völkermördern über die Grenze. Dort findet er in einem Flüchtlingslager Agathe wieder, aber es ist nicht die Frau, die er einmal liebte.
Lukas Bärfuss` minutiös recherchierter Roman berichtet von Menschen, die das Gute beabsichtigten und das Böse bewirkten. �Hundert Tage� erzählt ein dunkles Kapitel aus Afrikas Geschichte, in das wir tiefer verstrickt sind, als wir glauben wollen. Nicht zuletzt ist es die bewegende Geschichte einer Liebe in Zeiten des Krieges und die Geschichte von den Verheerungen, die der Hass anrichtet.

Autorenportrait

Autorenportrait von: Lukas Bärfuss
Lukas Bärfuss, geboren 1971 in Thun/Schweiz, zählt zu den erfolgreichsten Dramatikern der letzten Jahre. Seine Stücke werden weltweit gespielt. Bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute wurde Bärfuss zum Dramatiker des Jahres 2005 gewählt, neben zahlreichen anderen Auszeichnung erhielt er den Mühlheimer Dramatikerpreis. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Zürich. »Hundert Tage« ist der erste Roman des gefeierten Dramatikers.

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Bewertung «Hundert Tage»  von Dorothee Jaschke aus Karlsruhe (07.10.2009):

Ein trauriges Kapitel afrikanischer Geschichte und schon einige Jahre her. Wäre Bärfus Roman „Hundert Tage“ letztes Jahr nicht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet, ich hätte es wahrscheinlich nie in die Finger bekommen. Aber ich habe reingelesen, weitergelesen, bis zum Ende gelesen und war berührt.

Bärfus beschreibt die Erlebnisse eines Mitarbeiters der Schweizer Entwicklungshilfe in Kigali, Ruanda, während des Völkermords 1994. Glaubwürdig recherchiert, gut geschrieben und unbequem– nichts zum locker Entspannen, aber interessant, glaubwürdig und regt zum Nachdenken an. Ich wünsche diesem Buch viele Leser.

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Bewertung «Hundert Tage»  von Elke Meißner aus Halle (Saale) (01.10.2009):

Es ist das Interesse für Afrika, was mich zu diesem Buch trieb.
Und es lässt mich nach der Lektüre stumm, schweigend zurück.
Es geht um Afrika – Ruanda – Kigali - und was wissen wir als Europäer, als Deutsche wirklich über die Geschehnisse 1994?
L. Bärfuss recherchierte sorgfältig, macht in seinem Roman die fließenden Übergänge von Täter und Opfer deutlich.
Ganz fein, zergliedernd erfolgt die Schilderung aller erlebten Momente.
Am Ende ist Davids Rückgrat nicht gebrochen, wohl aber das Herz und die Seele.
Ein für mich hochemotionaler Roman in einer Sprache, die für mich Literatur bedeutet.

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Bewertung «Dieses Buch liess mich die Lyrik für eine Woche vergessen»  von Evelyne Lauber (evellaub@intergga.ch) aus Reinach, Schweiz (09.11.2008):

Für jeden Menschen, der politisch denken und handeln will, ein Muss.
Für jeden Menschen, der Illusionen abbauen will, ein Muss.
Für jeden empfindsamen Menschen, ein Muss, damit er weiss, in welche Richtung er heute fühlen kann, ohne sich zu verirren.
Ein Lehrbuch für wahrheitsgetreue Auseinandersetzung ohne sich oder die Anderen zu beschönigen.
Ein zutiefst humanes, engagiertes Buch.
Vielleicht das wichtigste Buch des Jahres bes. wenn ich an die Bedeutung der US-Wahlen mit dem Wahlsieg von Obama denke - da bin ich froh, dass auch die Menschen in Afrika und unsere Einwanderer auf einen Hoffnungsträger blicken können, der durch eine gute "Schmiede" ging.

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