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Berufung

Roman
KurzbeschreibungWenn Recht zu Unrecht wird Sie verlor ihre ganze Familie. Um ihren Tod zu sühnen, zieht Jeannette Baker gegen einen der größten Chemiekonzerne der USA vor Gericht. Als ihrer Klage stattgegeben und das Unternehmen zu 41 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt wird, ist ... weiterlesen
  • buch.ch-Verkaufsrang:10.315
  • Kundenbewertung:Bewertung
  • ISBN-10:3-453-00662-3
  • EAN:9783453006621
  • Veröffentlichungsdatum:Juli 2008
  • Einband:gebunden
  • Verlag:Heyne
  • Übersetzer:Bernhard Liesen, Bea Reiter, Kristiana Ruhl, Imke Walsh-Araya
  • Gewicht:714 g
  • Abbildungsvermerk:22 cm
  • Sprache:Deutsch
  • Seiten:464

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Rezension zu: "Berufung"

Eine neue Perspektive
John Grisham, der Erfinder eines der mittlerweile weltweit erfolgreichsten Genres überhaupt, dem Justizthriller, ist auch mit seinem aktuellen Roman für eine Überraschung gut: Anders als seine bisherigen Gerichtsromane, wie etwa "Die Jury" oder "Das Urteil", beginnt "Berufung" nicht mit der Schilderung eines Prozesses und seiner Vorgeschichte, um sich dann zum üblichen spannungsgeladenen Höhepunkt, der Urteilsverkündung, zu entwickeln.

Nein, dieses Mal geht Grisham einen anderen, nicht minder spannungsträchtigen Weg. Er schildert zu Beginn der "Berufung" lapidar nur das Ergebnis der nicht näher beschriebenen erstinstanzlichen Verhandlung: Die Jury eines Kleinstadtgerichts in Mississippi spricht nach viermonatiger Prozessdauer und fünftägiger Urteilsberatung der Klägerin, der kranken Jeanette Baker, fünfhunderttausend Dollar für den Tod ihres Kindes und zweieinhalb Millionen Dollar für den Tod ihres Mannes zu. Darüber hinaus wird das Unternehmen Krane Chemical zur Zahlung von sage und schreibe achtunddreißig Millionen Dollar Strafschadenersatz verurteilt, zu überweisen ebenfalls an Jeanette Baker. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Krane Chemical für die Verseuchung des Trinkwassers der beiden Opfer und damit für deren beide Krebskrankheiten verantwortlich ist.

Ein grandioser und dem Leser trotz der spektakulären, in Deutschland völlig undenkbaren Summen eher beiläufig mitgeteilter Prozessausgang. Dieser Erfolg aber nützt nicht nur der Klägerin, sondern auch deren Anwälten, dem Ehepaar Wes und Mary Grace Payton von der Hinterhofkanzlei Payton&Payton, die den langen Prozess und seine teuren Sachverständigen, wie das in USA so üblich ist, auf eigene Kosten vorfinanziert haben und jetzt, kurz vor der Privatinsolvenz stehend, Anspruch auf einen hohen prozentualen Anteil an der Urteilssumme haben. Außerdem können sie sich auf eine Vielzahl von weiteren Klägern freuen, die ebenfalls durch Kranes Grundwasserverunreinigung Schäden davongetragen haben, und die nun mit Hilfe der schlagartig bekannten Kanzlei oder anderen auf solche Massenklagen spezialisierten Anwälten ebenfalls gegen Krane klagen oder zumindest einen lukrativen außergerichtlichen Vergleich suchen wollen.

Ein skrupelloser Plan
Das einzige Problem daran: Das Urteil ist noch gar nicht rechtskräftig. Zuvor muss noch das Berufungsverfahren durchgeführt werden, am bislang eher klägerfreundlichen lokalen Supreme Court. Angesichts dieser Situation will sich Krane nicht mehr nur auf rechtliche Argumente verlassen, sondern hat einen perfiden Plan ausgeheckt. Der ist wie stets bei Grisham, einem zunehmend zynischeren Kritiker der amerikanischen Gesellschaft im Allgemeinen und des Justizsystems im Besonderen, für Europäer oft kaum glaubhaft, gleichwohl in jedem Aspekt der Realität entlehnt: Krane Chemical beauftragt ein dubioses politisches Beratungsunternehmen, einen Richter des Berufungsgerichts zu "kaufen", der dann für eine dem Unternehmen günstige Berufungsentscheidung sorgen soll. In den USA nämlich werden Richter nicht vom Ministerium nach Eignung ausgesucht und auf Lebenszeit ernannt, sondern regelmäßig von der Bevölkerung, in deren Bezirk sie urteilen, gewählt.

Krane nutzt diesen Umstand, sucht sich über Mittelsmänner einen gutaussehenden, sympathischen Anwalt und perfekten Familienvater und macht ihm das Angebot, ihn zum Richter am Berufungsgericht wählen zu lassen. Ron Fisk, der Auserwählte, glaubt seinem Glück kaum trauen zu können, sagt aber trotzdem zu. Den sich anschließenden Wahlkampf gegen die bisherige Amtsinhaberin Sheila Mc Carthy gewinnt er haushoch, auch wegen schmutziger Wahlkampftricks und illegaler Millionenspenden von Krane Chemical und verschiedener Lobbyistengruppen, die sich für eine Beschränkung der juristischen Haftung von Unternehmen einsetzen und deren Ziele Fisk als Richter zu unterstützen verspricht.

Kaum gewählt, enttäuscht Fisk seine Finanziers zunächst einmal nicht: Kaum eine Klage, die in erster Instanz noch erfolgreich war, passiert dank seiner Voten innerhalb des Achterkollegiums der Berufungsrichter das Berufungsgericht. Ob Schadenersatzklagen wegen Industrieunfällen oder Ärztehaftpflichtfälle - immer wenn David gegen Goliath geklagt und in erster Instanz gewonnen hat, gehen die Kläger nun dank Fisk in der Berufung leer aus.

Als der Krane-Fall zur Entscheidung ansteht, zweifelt niemand, wie Fisks Urteilsempfehlung auch hier ausfallen wird: Im Zweifel für das beklagte Unternehmen und gegen die seiner Meinung nach exorbitanten Haftungssummen.

Kein Grund zum Umdenken
Dann aber verletzt sich Fisks Sohn beim Baseballspiel mit einem fehlerhaften Schläger und wird auch noch von einem Arzt grob fahrlässig falsch behandelt. Er schwebt in Lebensgefahr und behält bleibende Schäden zurück. Juristisch ein klarer Fall: Fisk könnte den Schlägerhersteller und den behandelnden Arzt verklagen und Behandlungskosten sowie Schmerzensgeld in Millionenhöhe einfordern. Wie aber sähe das aus, wenn er, ein stets klageabweisender, beklagtenfreundlicher Richter nun in eigener Sache anders agieren würde, als er sonst entscheidet? Fisk klagt also nicht, er will sich nicht zum Gespött der Kollegen machen.

Nach reiflicher Überlegung spricht er sich trotz Läuterung zugunsten eines für Krane positiven Urteils, also für eine Klageabweisung, aus. Die Klägerin und ihre Anwälte sind ruiniert. Der Börsenkurs des Unternehmens Krane geht durch die Decke und macht den fiesen Firmenchef zum Milliardär. Denn dieser hatte direkt nach dem für ihn negativen erstinstanzlichen Urteil Aktien des eigenen Unternehmens zum Niedrigstpreis gekauft, die er jetzt zum Höchststand verkaufen kann.

Von all den Hintergründen weiß Fisk nichts, als er etwas lahm und sehr inkonsequent auf dem Urteil anmerkt, dass sich das Gericht zunehmend blindlings für die Interessen derjenigen einsetzt, die Haftung für Schäden Dritter drastisch einschränken wollen. Seine einzige Reaktion ist, dass er einen Monat Urlaub nimmt, denn "zuhause werde ich gebraucht".

Eine klare Botschaft und viel Realitätsnähe
Ein spannender und für den deutschen Leser sehr informativer Thriller über die Schattenseiten des US-Justizsystems geht hier etwas undramatisch und "unhappy" zu Ende. Aber Grisham will sein Anliegen wohl nicht durch ein glücklicheres Ende verwässern. Vielmehr will er darauf hinweisen, dass das missbrauchsanfällige amerikanische Richterwahlrecht revidiert werden sollte, zugunsten einer Ernennung durch unabhängige Behörden. Ein Modell, das in Europa übrigens schon seit vielen Jahrzehnten bewährt ist, wie der europafreundliche Grisham sicher weiß.

Für den Leser ebenfalls sehr informativ ist die deutliche Kritik des Autors an den US-Anwälten und deren zunehmend skrupellosem Bestreben, auch im eigenen Gebühreninteresse hohe Schadenersatzzahlungen zu erstreiten. Hier war Grisham einmal mehr schneller als die Realität, wurden doch erst dieser Tage Strafurteile gegen renommierte US-Anwälte bekannt, die Richter bestachen und Kläger mit Geldzahlungen erst zur Klageeinreichung veranlassten, um dadurch höhere Urteilssummen zu erreichen, an denen sich ihre Erfolgsbeteiligung orientiert. Rekordhalter ist hier in vielen Belangen ein Anwalt, laut FAS übrigens ein guter Freund Grishams, der vor Jahren ein sensationelles Urteil in Höhe von 246 Mrd. Dollar gegen die Tabakindustrie erstritt, davon mehr als eine Mrd. an Erfolgsbeteiligung behalten durfte, aber nun wegen Richterbestechung in Höhe von 40.000 Dollar fünf Jahre ins Gefängnis muss.

Rainer Dresen
München, Juli 2008

Kurzbeschreibung zu: "Berufung"

Wenn Recht zu Unrecht wird<br />
<br />Sie verlor ihre ganze Familie. Um ihren Tod zu sühnen, zieht Jeannette Baker gegen einen der größten Chemiekonzerne der USA vor Gericht. Als ihrer Klage stattgegeben und das Unternehmen zu 41 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt wird, ist die Sensation perfekt. Doch dann geht Krane Chemical Inc. in Berufung, und eine Intrige unglaublichen Ausmaßes nimmt ihren Lauf. Mit »Berufung« knüpft John Grisham an seine großen Erfolge »Die Jury« und »Die Firma« an - ein Thriller um Recht und Gerechtigkeit, der unter die Haut geht.<br />
<br />In wenigen Minuten wird das Urteil der Jury erwartet. Nach einem monatelangen, nervenaufreibenden Prozess ist der Moment gekommen, auf den Jeannette Baker so lange gewartet hat. Die junge Frau hat alles verloren. Ihr kleiner Sohn und ihr Ehemann sind qualvoll an Krebs gestorben. Verantwortlich für ihren Tod ist Krane Chemical, davon ist Jeannette Baker überzeugt. Jahrelang hatte der Chemiekonzern hochgiftige Abfälle illegal entsorgt und damit das Trinkwasser der Region verseucht. Niemand hat die Kraft noch den Mut aufgebracht, den Kampf gegen den Chemieriesen mit seiner Armada von hoch bezahlten Anwälten aufzunehmen. Nur Jeannette Baker hat sich getraut. Als ihrer Klage stattgegeben und Krane Chemical zu 41 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt wird, ist die Sensation perfekt. Die Freude währt jedoch nur kurz. Angeführt von Firmenboss Carl Trudeau, geht der Chemiekonzern in Berufung. Um sein Unternehmen zu retten, ist Trudeau jedes Mittel recht.<br />
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Autorenportrait

Autorenportrait von: John Grisham
John Grisham wurde am 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren, studierte in Mississippi und ließ sich 1981 als Anwalt nieder. Der Aufsehen erregende Fall einer vergewaltigten Minderjährigen beeindruckte ihn nachhaltig und brachte ihm zum Schreiben. In Früh- und Nachtschichten wurde daraus sein erster Thriller, "Die Jury", der in einem kleinen, unabhängigen Verlag erschien - der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.

Bewertung unserer Kunden zu: "Berufung"

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Bewertung «Ein Blick hinter die Kulissen...»  von Thomas aus Klagenfurt (23.01.2009):

Nach "Touchdown" wieder ein Grisham mit Gerichtssaal - samt einem Blick hinter die Kulissen von Machtspielen der Wirtschaft sowie der Politbühne. Die Spannung ist z.T. schwer aufrecht zu erhalten, weil Grisham sehr weit ausholt... trotzdem finde ich ein gelungenes Werk!

Welche Produkte mir außerdem gefallen haben:
  • Grisham, Kathy Reichs...
Zu meiner Person: Ich bin ein lesender Ironman-Triathlet

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Bewertung «Testbewertung» von einer Kundin oder einem Kunden aus Hamburg - Einbüttel (01.12.2008):

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Bewertung «Keine Überraschung aber gut zu lesen!»  von claudia aus mönchengladbach aus mönchengladbach (18.09.2008):

Ein echter Grisham eben... besser als die letzten Bücher! 100 Seiten weniger hätten dem Buch nicht geschadet.Trotzdem 4 Sterne für die Storry

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Bewertung «Fast ein Grisham»  von Manfred2112 aus Asten (15.09.2008):

Wieder einmal fast ein John Grisham Roman. Die Coverstory verspricht viel Spannung, jedoch kann man in kurzen Sätzen nur sagen, - das es einmal hoch spannend Beginnt. Die Verhandlung ist richtiger John Grisham. Aber dann als die Verstrickungen beginnen wird es leicht langatmig und zu verstrickt. Die Politische Seite und die wirtschaftlichen Interessen sind zwar interessant zu lesen. Meiner Meinung schweift dann John Grisham zu sehr ab. Alles in allem trotzdem wieder ein Roman der für die letzten beiden entschädigt.

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Bewertung «Die Berufung» von einer Kundin oder einem Kunden aus Polling (14.09.2008):

ein super lesenswerter Roman von Grisham......

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