25.04.2009
„Kann mich nicht entscheiden”
Für mich ist dies überhaupt kein Gleichberechtigungsroman und schon gar keine feministische Streitschrift, wie es auf dem Klappentext angekündigt bzw. angedeutet wird, eher die Erzählung einer Frau, die mit der Diskrepanz zwischen ihren natürlichen Gefühlen und den offiziellen gesellschaftlichen Vorgaben, die sie in ihrem Kopf auch für sich angenommen hat, nicht klar kommt.
Ich bin der Meinung, dass in unserer Gesellschaft heute wir Frauen die meisten Vorteile genießen (in der Schule, an der Uni, zum Teil im Beruf, Lebenserwartung, kein Militärdienst), aber nur solange, wie wir keine Kinder bekommen. Dann werden wir nämlich benachteiligt. Sara hätte ihre Situation nur mit einer x-beliebigen kinderlosen "Schwester" vergleichen müssen, und schon wäre ihr klar geworden, dass sie all ihre Vorwürfe genauso auch gegen diese hätte richten können.
Sara ist ein Opfer des dominierenden Gleichheitsfeminismus, der der Auffassung ist, Frauen und Männer sollten im Leben in etwa das Gleiche tun, nämlich einem Beruf nachgehen und sich eine eventuelle Familienarbeit teilen. Weil viele beruflich engagierte Menschen schnell merken, dass dies nicht geht, verzichten sie lieber ganz auf Kinder und versuchen das Leben sonst wie zu genießen. Die anderen zermürben sich dabei, entweder durch zeitliche Überforderung oder aber durch innere Konflikte. Von Letzteren berichtet der Roman.
Identische soziale Rollen für beide Geschlechter würden uns Menschen - biologisch betrachtet - in virtuelle Zwitter verwandeln. Biologen wissen aber: Höhere Tierarten - zu denen auch der Mensch zählt - sind unter einer solchen Vorgabe langfristig nicht überlebensfähig. Das wäre sicherlich nicht weiter tragisch, wenn es sich irgendwann einmal herumsprechen würde. Doch das tut es leider nicht, denn entsprechende Argumentationen werden von den Wortführerinnen meist sehr schnell als Biologismus abgetan, mit dem frau lieber nichts zu tun haben will.
Ich konnte Sara an vielen Stellen verstehen, auch wenn sie mir manchmal allzu sehr frustriert, nörgelnd und auch neidisch herüber kam. Doch hier steckt die moderne Frau leider in einem massiven Dilemma, was sie bedauerlicherweise im Wesentlichen auch noch selbst geschaffen hat. Es war vor allem der Gleichheitsfeminismus, der von Anfang an Lösungen zur Aufwertung von Familienarbeit torpediert hat (Familienarbeit sollte für Frauen keine echte Alternative mehr sein), sodass diese schon fast zwangsläufig als Diskriminierung erlebt werden muss. Böse (männliche) Zungen behaupten, der Gleichheitsfeminismus benötige die Benachteiligung der familienorientierten Frauen, um darüber weitere Vorteile für berufsorientierte Frauen herauszuholen.
Ich fand die Unerbittlichkeit, mit der Sara manche ihrer Frustrationen hervorbringt, stellenweise bewundernswert. Das Buch ist überhaupt recht gut geschrieben und vielfach auch durchaus witzig. Und schließlich hat es einen Schluss, den man schon fast als versöhnlich bezeichnen kann.
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