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Name:
Lena Waider
Ort:
Wiesbaden
Rezensionen:
207 Rezensionen
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Rang:
140

Lena Waiders Rezensionen

Seite: 12345678910

buch

Der amerikanische Virus

Rainer Hank

gebunden

Erschienen bei: Karl Blessing Verlag , 23.02.2009

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25.04.2009

„Ein Plädoyer für den freien Markt, aber ...”

Rainer Hank, Leiter der Wirtschafts- und Finanzredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) bekennt gleich zu Beginn, dass er sich so etwas wie die aktuelle Finanzkrise, die er als erste große Krise des globalen Kapitalismus bezeichnet, unlängst noch nicht habe vorstellen können, was sehr ehrlich ist. Für ihn geht es aktuell nicht nur um Verteilungsfragen (10), "sondern um die Anerkennung einer generellen Instabilität des Systems".

Dies ist ohnehin sein eigentliches Credo. Er sieht zwar generell enorme Vorteile in der freien Marktwirtschaft, doch der Preis dieser Vorteile ist, dass (11) "der Lauf der Wirtschaft regelmäßig von - zum Teil schweren - Krisen heimgesucht wird". Insbesondere käme es immer wieder zu sogenannten Spekulationsblasen.

Mit anderen Worten (195): Wir können den nächsten Crash nicht verhindern, sondern uns nur besser darauf vorbereiten. Für ihn sind also gelegentliche/regelmäßige Spekulationsblasen und Crashs die unvermeidliche Nebenwirkung eines ansonsten ganz wunderbar funktionierenden freien Marktes. Mit einer solchen Aussage dürften sich jedoch viele Menschen nicht zufrieden geben.

Sehr interessant seine Ausführungen zur Gier (bzw. auch zur Angst: beide Phänomene sind für ihn anthropologische Triebe), die er geschickt mit dem Begriff der Neugier verbindet (13). Entsprechend fragt er (71): "Ist 'das Verlangen zu besitzen' nicht zugleich die Triebfeder unseres Wohlstands?" Damit widerspricht er keineswegs einer Anne T., die in "Die Gier war grenzenlos" ebenfalls fragt, ob Gier nicht gleichzeitig auch die Kraft ist, die seit jeher Innovation, Produktivität und Fortschritt in Gang setzt und weitertreibt. Beide AutorInnen sind gewissermaßen der Ansicht, dass Gier nicht unbedingt etwas mit Schuld zu tun hat, sondern eine systemimmanente Begleiterscheinungen ist.

Was beide hier beschreiben, ist in der Biologie als Red-Queen-Hypothese bekannt. Entsprechend muss in wettbewerbsorientierten Märkten jeder nach "mehr" 'gieren', um seinen Status zu erhalten. Mersch hat dieses Prinzip in "Evolution, Zivilisation und Verschwendung" zu einer allgemeinen Evolutionstheorie ausgebaut, die auch die Phänomene auf den Finanzmärkten recht gut beschreiben kann. Die Innovation, die Hank als charakteristisch für freie Marktwirtschaften ansieht, erklärt Mersch evolutionstheoretisch: Evolution (und damit Innovation) setzt Variation und den Wettbewerb unter den Varianten voraus.

Anders als Anne T. plädiert Rainer Hank - als Vertreter des freien Marktes (S. 209-210) - lediglich für eine recht behutsame Regulierung der Märkte, denn mehr Regulierung bedeutet für ihn weniger Innovation und weniger Wachstum (200). Insbesondere sollten Regulierungen nicht einfach nur etwas verbieten, sondern gemäß der von Walter Eucken formulierten Grundregel wirken: "Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen." Auch sollten Banken nicht in der Lage sein, Risiken vollständig weiterzuverkaufen. In diesem Zusammenhang dürften sicherlich auch die von der JP Morgan Mitarbeiterin Blythe Masters erfundenen Credit Default Swaps (CDS), die der US-Milliardär Warren Buffet schon 2002 als Massenvernichtungswaffen der Finanzindustrie bezeichnete, eine wesentliche Rolle spielen.

Generell sehr interessant fand ich seine Äußerungen zur US-Immobilienkrise. Beispielsweise war mir bislang nicht bekannt, dass die amerikanischen Hausbesitzer - anders als bei uns - bei Zahlungsausfall nur um ihr Haus, nicht aber um ihr restliches Vermögen bangen müssen.

0 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

CD

MISTERIOSA VENEZIA

Rondo Veneziano

Erschienen bei: Baby-Records , 02.10.1987

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25.04.2009

„Einfach nur schön und entspannend”

Bei Rondo Veneziano streiten sich ein wenig die Geister. Die einen halten die Musik für kommerziell und oberflächlich, die anderen für wunderbar entspannende, zeitlos schöne Musik. Ich zähle zur zweiten Gruppe. Es mag ja sein, dass sich diese Musik perfekt als Tapetenmusik eignet: Mir gefällt sie jedenfalls. Und sie löst bei mir genau den Effekt aus, für die sie wohl auch mal gedacht war: Entspannte Heiterkeit und Gelassenheit. Im Grunde kann ich sie fortlaufend hintereinander hören.

CD

Vienna Concert

Keith Jarrett

Erschienen bei: Universal Music Vertrieb - A Division of Universal Music GmbH , 28.09.1992

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25.04.2009

„Großartiges Solokonzert”

Ein großartiges und sehr inspiriertes Solo-Konzert des Ausnahmepianisten Keith Jarrett in der Wiener Staatsoper, welches ca. 16 Jahre nach seinem legendären Kölnkonzert aufgenommen wurde, an das es nach meinem Geschmack aber nicht ganz herankommt. Mir kommt das Kölnkonzert noch ein wenig kraftvoller, kreativer und entschiedener vor. Dennoch kann ich die Aufnahme uneingeschränkt empfehlen.

0 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

CD

The Last Record Album

Little Feat

Erschienen bei: Warner Music , 25.04.1988

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25.04.2009

„Sehr hörenswerter 70er-USA-Bluesrock”

Ein wirklich wunderschönes Stück Musik (Jahrgang 1975) mit einer einzigartigen Mischung aus Blues, Südstaatenmusik und Rock. Hervorheben möchte ich dabei auch die grandiose Rhythmusabteilung (Drums, Congas, Bass) und das Zusammenspiel von Gitarre und Keyboards (die stellenweise ein wenig an Steely Dan erinnern). Das Intro zu "Romance Dance" beginnt gleich so fulminant, dass ich beim ersten Hören glaubte, eine mir unbekannte CD der Rolling Stones erstanden zu haben. Auch die Dynamik der Aufnahme ist sehr zufriedenstellend, sodass man die CD auch sehr gut laut hören kann.

CD

Into The Great Wide Open

Tom & The Heartbreakers Petty

Erschienen bei: Universal Music Vertrieb - A Division of Universal Music GmbH , 02.07.1991

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25.04.2009

„Gute Rockmusik”

Für mich ist dies eine der besten Aufnahmen von Tom Petty & the Heartbreakers, und ich kann sie immer mal wieder hören. Einziger Wertmutstropfen: Die CD verschießt einen Großteil ihres Pulver bereits gleich zu Beginn. Die besten Songs sind für mich die ersten drei: "Learning to Fly", "Kings Highway" und "Into the Great Wide Open", und das auch noch in der Reihenfolge. Danach geht es leider so weiter: der Folgesong scheint stets ein klein wenig schwächer als der vorangegangene zu sein (vielleicht mit der Ausnahme von "The Dark of the Sun" und "You and I Will Meet Again", welche ebenfalls zu den besten Songs zählen, obwohl sie an den Opener bei Weitem nicht herankommen). Glücklicherweise gibt es für so etwas die Shuffle-Funktion. Dennoch insgesamt sehr gute Rockmusik.

buch

Bitterfotze

Maria Sveland

Taschenbuch

Erschienen bei: Kiepenheuer & Witsch , 24.02.2009

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25.04.2009

„Kann mich nicht entscheiden”

Für mich ist dies überhaupt kein Gleichberechtigungsroman und schon gar keine feministische Streitschrift, wie es auf dem Klappentext angekündigt bzw. angedeutet wird, eher die Erzählung einer Frau, die mit der Diskrepanz zwischen ihren natürlichen Gefühlen und den offiziellen gesellschaftlichen Vorgaben, die sie in ihrem Kopf auch für sich angenommen hat, nicht klar kommt.

Ich bin der Meinung, dass in unserer Gesellschaft heute wir Frauen die meisten Vorteile genießen (in der Schule, an der Uni, zum Teil im Beruf, Lebenserwartung, kein Militärdienst), aber nur solange, wie wir keine Kinder bekommen. Dann werden wir nämlich benachteiligt. Sara hätte ihre Situation nur mit einer x-beliebigen kinderlosen "Schwester" vergleichen müssen, und schon wäre ihr klar geworden, dass sie all ihre Vorwürfe genauso auch gegen diese hätte richten können.

Sara ist ein Opfer des dominierenden Gleichheitsfeminismus, der der Auffassung ist, Frauen und Männer sollten im Leben in etwa das Gleiche tun, nämlich einem Beruf nachgehen und sich eine eventuelle Familienarbeit teilen. Weil viele beruflich engagierte Menschen schnell merken, dass dies nicht geht, verzichten sie lieber ganz auf Kinder und versuchen das Leben sonst wie zu genießen. Die anderen zermürben sich dabei, entweder durch zeitliche Überforderung oder aber durch innere Konflikte. Von Letzteren berichtet der Roman.

Identische soziale Rollen für beide Geschlechter würden uns Menschen - biologisch betrachtet - in virtuelle Zwitter verwandeln. Biologen wissen aber: Höhere Tierarten - zu denen auch der Mensch zählt - sind unter einer solchen Vorgabe langfristig nicht überlebensfähig. Das wäre sicherlich nicht weiter tragisch, wenn es sich irgendwann einmal herumsprechen würde. Doch das tut es leider nicht, denn entsprechende Argumentationen werden von den Wortführerinnen meist sehr schnell als Biologismus abgetan, mit dem frau lieber nichts zu tun haben will.

Ich konnte Sara an vielen Stellen verstehen, auch wenn sie mir manchmal allzu sehr frustriert, nörgelnd und auch neidisch herüber kam. Doch hier steckt die moderne Frau leider in einem massiven Dilemma, was sie bedauerlicherweise im Wesentlichen auch noch selbst geschaffen hat. Es war vor allem der Gleichheitsfeminismus, der von Anfang an Lösungen zur Aufwertung von Familienarbeit torpediert hat (Familienarbeit sollte für Frauen keine echte Alternative mehr sein), sodass diese schon fast zwangsläufig als Diskriminierung erlebt werden muss. Böse (männliche) Zungen behaupten, der Gleichheitsfeminismus benötige die Benachteiligung der familienorientierten Frauen, um darüber weitere Vorteile für berufsorientierte Frauen herauszuholen.

Ich fand die Unerbittlichkeit, mit der Sara manche ihrer Frustrationen hervorbringt, stellenweise bewundernswert. Das Buch ist überhaupt recht gut geschrieben und vielfach auch durchaus witzig. Und schließlich hat es einen Schluss, den man schon fast als versöhnlich bezeichnen kann.

1 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

buch

Liebe - Ein unordentliches Gefühl

Richard David Precht

gebunden

Erschienen bei: Goldmann , 09.03.2009

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25.04.2009

„Interessant, und dennoch nicht erklärend”

Precht macht zunächst klar, dass es in seinem Buch nicht um die Liebe im Allgemeinen geht, sondern eingeschränkt (13) "um die geschlechtliche Liebe zu einem Liebespartner".

Positiv ist zunächst anzumerken, dass er sich seinem Thema nicht rein philosophisch nähert, sondern ganz bewusst auch auf der Grundlage des aktuellen Standes der Naturwissenschaften.

Precht beginnt mit einer Beschreibung - und Kritik - des Standpunktes der Evolutionären Psychologie zum menschlichen Sexualverhalten. Sehr nachvollziehbar kritisiert er die Erklärungswut dieser Disziplin, die für fast jedes Phänomen eine angeblich plausible Begründung parat hat. Precht liefert hier zum ersten Mal einen seiner Haupteinwände: Nicht jedes beobachtbare Phänomen muss unbedingt auf einen Vorteil zurückzuführen sein. Es reiche, wenn es nicht nachteilig ist.

Precht hält die Vermutung der Soziobiologen, dass neben dem Fortpflanzungstrieb auch unsere Liebe und Libido aus der Steinzeit stammen, für eine sehr mutige Behauptung (39).

Sehr lesenswert fand ich seine Ausführungen zur und Kritik an der Gesamtfitness-Theorie Hamiltons, die Richard Dawkins später zur Theorie der egoistischen Gene popularisierte, man könnte vielleicht lediglich einwenden, dass er hier eine Spur zu spöttisch wirkt.

Den soziobiologischen Überlegungen schließt sich ein Kapitel über den Unterschied zwischen dem biologischen und sozialen Geschlecht (Gender) an. Hier waren mir seine Aussagen viel zu allgemein gehalten. Es ist zwar richtig, dass die Geschlechtsrollenunterschiede zwischen Frauen und Männern nicht allesamt biologisch begründet sein müssen, sondern zum Teil oder sogar in Gänze sozial konstruiert sein können, das heißt aber noch lange nicht, dass sie im statistischen Mittel vollständig angeglichen werden können.

In den Folgekapiteln geht es dann um die zentrale Frage, wieso es überhaupt Frauen und Männer gibt (141ff.). Dieser Abschnitt ist für mich der bei Weitem schwächste des ganzen Buches. Richard David Precht stellt zunächst verschiedene Hypothesen vor, die erklären wollen, weshalb es eine getrenntgeschlechtliche Fortpflanzung gibt, um diese dann aber allesamt mehr oder weniger als wenig stichhaltig zurückzuweisen. Einmal mehr merkt er an (147): "Phänomene wie die sexuelle Fortpflanzung müssen nicht deshalb entstanden sein, weil sie einen Vorteil boten, der größer war als ihr Nachteil." Und das ist - mit Verlaub gesagt - leider völlig absurd.

Wie Mersch in "Evolution, Zivilisation und Verschwendung" stringent nachweist, hätte es ohne die getrenntgeschlechtliche Sexualität auf der Erde nur ein Fressen-und-Gefressen-werden gegeben, denn erst mit der getrenntgeschlechtlichen Sexualität kam eine der größten Erfindungen der Evolutionsgeschichte überhaupt: das "Gefallen-wollen", was auch die Grundlage der Liebe schlechthin sein dürfte.

Das Problem an dieser Stelle ist, dass Precht einen bedeutenden Teil der Biologie schlicht und ergreifend ignoriert. Ich fragte mich immer wieder, wie man ein Buch über die sexuelle Liebe schreiben kann, ohne Bücher wie Geoffrey F. Millers "Die sexuelle Evolution", Matt Ridleys "Eros und Evolution" oder Zahavis "Signale der Verständigung" (Handicap-Prinzip) auch nur zu erwähnen.

Der letzte Abschnitt "Liebe heute" (Kapitel 11-14) hat mir dagegen wieder sehr gut gefallen. Ich habe dennoch drei Sterne vergeben, weil das Buch insgesamt sehr interessant ist, und sich die meisten Leser möglicherweise vor allem für den dritten - gelungenen - Abschnitt interessieren werden.

4 von 5 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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