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Roman. Ausgezeichnet mit dem Hieronymusring 2009 und dem Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Übersetzung 2010 von David Foster Wallace (buch)
von einer Kundin oder einem Kunden
Ich habe mich lange Zeit auf US gefreut! Nachdem ich den Wälzer dann endlich zur Hand hatte, bin ich zu meiner Enttäuschung allerdings schon nach hundert Seiten ins Stocken gekommen, nach ein paar Ruhetagen habe ich ihm aber noch 100 weitere Seiten gegeben, um mich zu überzeugen, um dann nach doch noch und immerhin 400 Seiten endgültig aufzugeben. Zu vieles störte mich.
Angefangen beim Humor: Der beschränkt sich, fast zu meiner Bestürzung, allzu oft auf Pubertäres, billigen Slapstick à la Dick & Doof oder der Überdehnung von Klischees. Warum etwa muß ein deutscher Lehrer mit dem so unendlich komischen Namen Schtitt mit Schaftstiefeln, Reitgerte und faschistoiden Lehrmethoden eingeführt werden? Warum die Albernheit frankokanadischer Selbstmordattentäter? Allenfalls wer Holland nur mit Tulpen und Holzschuhen verbindet, wem zu Spanien nur Toreros und Kastagnetten einfallen, kann sich von solchen Klischee-Reitereien, auch wenn sie nicht affirmativ gemeint sind, nicht verdrießen lassen.
Der auch mir durchaus zugängliche Charme eines Fußnotenapparats in einem Roman verfliegt bei der realexistierenden Lektüre spätestens nach der dritten überflüssigen Fußnote zur Fußnote. Für sich spricht auch, dass ich als bekennender Fremdwörterfetischist das Wörterbuch schnell beseite gelegt habe, weil David Foster Wallace' lexikalische Monomanie sprichwörtlich zu Redundanz führt. Erzählerisch schadet das Fachwörterwimmeln sogar, weil es die 200 oder mehr Charaktere, die jemand gezählt haben will, schlichtweg einebnet. Überhaupt lassen sich - und das ist nur teilweise eine Konsequenz des unendlichen Wortschatzes - alle Personen des Romans auf höchstens zwei Grundtypen herunterbrechen. Was bleibt ist ein personales Rauschen, oder, durch die bloße Menge der Erzählstränge, allenfalls ein Sound von Komplexität.
Insgesamt habe ich den Verdacht, dass Foster Wallace (dem Diktionäre verschlingenden Hal im Roman nicht unähnlich) als Schriftsteller eine Art Tatsachenphilatelist mit enormen erzählerischen Defiziten ist. Deshalb die seitenlangen Gebäudebeschreibungen, deshalb die Exkurse über beispielsweise Tätowierungen und Tätowierte, die Listen und Verzeichnisse. Ein Kapitel, in dem ein paar Schüler über eine Droge quatschen, liest sich da fast als würden unter erzähltechnischer Zuhilfenahme von ein paar Schülern die Wirkung und die urbanen Mythen einer Droge referiert. Man könnte in diesem Zusammenhang zuspitzend von einer Faktizität des Erzählens sprechen, eine Art enzyklopädo-autistische Erzählhaltung konstatieren. Ich kann ja sogar verstehen, wenn man das mit dem zwangsläufigen Stichwort "Postmoderne" lobt! Aber auch mit seiner vorgeblichen Modernität ging es mir anders: Mich ließ US seltsamerweise oft an das Barockzeitalter denken, - freilich ohne diese Assoziation auf Anhieb erklären zu können.
Aber genug der Vorwürfe und Schuldnachweise. US hat einige großartige Passagen, wie die Hal-Orin-Telefonate, und David Foster Wallace unverkennbar auch Stärken. Ausrufezeichen.
Ein Beispiel: "Hals Spiegelbild passt genau in eine Kachel der gegenüberliegenden Wand [im Duschraum]; wenn er langsam den Kopf bewegt, verzerrt sich sein Gesicht und gewinnt auf der nächsten Kachel mit einem optischen Ploing die Form zurück." - Das ist zugegebenermaßen mehr als gut und Ähnliches oft die einzige Belohnung über Dutzende von Seiten.
Allinsgesamt: Wäre US kürzer, hätte ich vielleicht sogar durchgehalten. Als Schriftsteller will ich David Foster Wallace für mich jedenfalls nicht abhaken. Soviel Versöhnung zum Schluß muß immerhin sein.
von einer Kundin oder einem Kunden
Macht das Spass? Ehrlich, dafür habe ich keine Antwort, denn es ist schlicht und ergreifend unmöglich, vielleicht sogar unmenschlich, dieses Buch (Lebenswerk eines innerlich Zerrissenen wäre die bessere Bezeichnung) inhaltlich wiederzugeben. Es geht auch gar nicht so sehr darum, alles, was darin steht, ernst zu nehmen oder gar zu begreifen.
"Unendlicher Spass" ist vor allem die endlose Lust an der Sprache und ihrer grenzenlosen Spielmöglichkeiten. David Foster Wallace war bestimmt kein Meister des Lebens, aber einer in der Kunst des Ausdrucks, der Beschreibung und des Jonglierens mit Worten, weswegen ich ihn verehre!
Einzelne Passagen habe ich zigmal gelesen, weil sie so perfekt formuliert sind, andere dagegen darf man getrost unverstanden hinter sich lassen, weil sich ein zu destruktiver, vom Leben zerfressener Geist dahinter verbirgt.
Ein Jahr habe ich gebraucht, um diesen Wälzer Stück für Stück, in kleinen Häppchen, zu schlucken.
Das Verdauen dürfte dagegen weitaus länger dauern - sofern das überhaupt möglich ist.
Inhaltlich oftmals fragwürdig, aber sprachlich über alle Massen genial, wird dieses Buch wohl das gleiche Schicksal ereilen wie "Ulysses" und in vielen Regalen nur als ungelesenes, intellektuelles Statussymbol stehen. So oder so, übersehen kann man es auf keinen Fall!
von einer Kundin oder einem Kunden aus Bern
An Verbildung im Zusammenhang mit Drogen gestorben! Das ist tragisch, wuchert aber immer mehr in "hochgebildeten" Kreisen. "Intelligent und monströs" hört man gelegentlich über Wallace und das trifft es schon. Allerdings muss bei Intelligenz auch über Verbildung gesprochen werden.Ich kann den Lobhudeleien zu den Büchern von Wallace deshalb nicht folgen. Oft wirr und dann wieder überkandidelt, meist nichtssagender Slapstick mit moralisierendem Brummton und psychischer Verwirrung. Wenn intelligente Leute ausgerechnet noch weiter in Intelligenz geschult werden, dann entsteht eine monströse Schlagseite, die verheerende Folgen für diese haben kann. Sie finden sich im Alltag unter "normalen" Leuten nicht mehr zurecht, die Gefühle werden abgewürgt und ergeben als stressende Störefriede ein am Ende tödliches Gewühle, statt Gefühle. Das haben einige Autoren erlitten, aber auch Professoren oder hochgebildete Manager uä. Darum rate ich von dieser wilden Lektüre ab. Sie verbreitet das, woran der Autor schlussendlich sich selber das Leben nahm: Depression, ist sowieso alles hoffnungslos, nehmen wir also noch eine Nase voll oder saufen wir uns zu Tode usw. Eigentlich sollten solche Menschen ja intelligent genug sein, um sich das Leben NICHT selber zu nehmen. Aber eben, wenn Bildung zu Verbildung wird und Medis und Drogen dazukommen, dann ist nichts mehr an seinem Platze im Gehirn und der Ausstoss endet in Verwirrung.
1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
von einer Kundin oder einem Kunden
Wenn Sie mit franko-kanadischen Rollstuhl-Killerkomandos und Straps und high heels tragenden US Agenten um Wichtigkeit und Legitimation streiten, wenn Sie an der Enfield Tennis Academy einer Gruppe adoleszenter, zukünftiger Sporthelden, deren Leistungs-
druck und Art der Verarbeitung beiwohnen, wenn Sie im Enfield Entziehungszentrum der
Kompletten Palette an Sucht und Abhängigkeit und den Geschichten der Insassen begegnen,
wenn Sie es geschafft haben das Fremdwörterbuch zur Seite zu legen und sich der hypnotisch
berauschenden Vielseitigkeit des Buches zu ergeben und Ihnen dieses Satzfragment lediglich ein Schmunzeln und das Verlangen nach mehr Komplexität abringt, dann, und nur dann, befinden Sie sich mitten im Fahrwasser der unendlicher Spass-Patrone.
Dieses Buch drückt Sie in` s kalte Wasser, bringt Sie mit Starkstrom auf die gewünschte Frequenz, feuert Sie in die Umlaufbahn, lässt Sie dort so lange es wünscht verweilen und erholen um Ihre Synapsen danach wieder ungebremst gegen die Wand zu fahren. Erholung finden Sie auf opiumgetränkten rosa Wölkchen, bevor der Traum, oder auch nicht, weiter geht.
Noch nie habe ich in einem Buch ein ganzes Universum an Geschichten, Erlebtem, Fantasie
Und skurilem Witz von dieser Klasse gefunden.1300 Seiten Roman und300 Seiten, den Roman erklärenden Fußnoten. Hermann Hesse schrieb über Dostojewskij`s Roman
die Brüder Karamassow:Dass ein einzelner Mensch dieses Buch geschrieben hat,
grenzt an ein Wunder.
Dieser Satz trifft, meiner Meinung nach, auch auf Wallace`s unendlicher Spasszu.
Mein Tip: Schlagen Sie das Buch an einer beliebigen Stelle auf und lesen Sie zwanzig Seiten. Fangen Sie dann entweder auf Seite eins a und lesen Sie es bis zum Schluss, oder schließen Sie das Buch und verzichten auf unendlichen Spass.
1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
von einer Kundin oder einem Kunden
Meine Güte, was soll man dazu sagen (oder schreiben)? Das ist ein Buch, so groß wie dick und schwer. 1600 Seiten prallen Lebens, das konnte ich nicht am Stück lesen (oder verarbeiten). Eine Inhaltsangabe ist nicht wirklich möglich, so zersplittert ist das Buch, so ausschweifend die vielen Erzählstränge. Diese Figuren bleiben jedenfalls lange in Erinnerung, die genialen Incandenzas und all die Satelliten rundherum, die Französischen Freiheitsattentäter im Rollstuhl und die ganzen anderen wunderbar skurrilen Typen. Das ist einfach großartige Literatur, und wer dieses Buch nicht liest, versäumt ein, nein das Meisterwerk der amerikanischen Literatur der letzen zwanzig Jahre!
1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
von einer Kundin oder einem Kunden
Ich verkneife mir jedwede Angabe zum Inhalt, kann man diese 1600 Seiten in meine Augen schlicht und ergreifend nicht angemessen in wenigen Zeilen erläutern. Doch das ist nicht tragisch, machen doch ganz andere Dinge den Reiz dieses opus magnum von David Foster Wallace aus. Erst einmal ist da die Sprache: Grandios, ich konnte nicht anders als jede Seite des Buches zu genießen und das ist sicherlich nicht zuletzt der große Verdienst von Übersetzer Ulrich Blumenbach, der nicht oft genug genannt werden kann, um seinen Anteil an diesem Werk gebührend zu würdigen. Zum Anderen ist da schlicht und ergreifend die Herausforderung diese 1600 Seiten in Angriff zu nehmen. Ich konnte das Buch nicht am Stück lesen, das werden wohl die Wenigsten, doch das tut dem Spaß am Buch keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, so hat man überhaupt erst die Möglichkeit die einzelnen Teile der Geschichte zu verarbeiten und die kommenden Lesestunden voller Freude zu genießen.
Ganz bestimmt keine leichte Lektüre, aber das ist wohl allen klar, daher nur mein Ratschlag: trauen sie sich, es lohnt sich auf jeden Fall.
2 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
von einer Kundin oder einem Kunden
Trotz des Todes von David Foster Wallace ist dies kein Trauergesang eines Lebensmüden.
Slapstick steht neben ernsthafter Kulturkritik, und parodistische Kapitel wechseln ab mit
tiefen Einblicken in die Psyche von Süchtigen. Sprachlich schöpft Wallace aus dem Vollen,
das macht es für mich zum Buch des Jahres.
2 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
von einer Kundin oder einem Kunden
Schon die Vorberichterstattung im Börsenblatt des Buchhandels hat mich sehr neugierig gemacht und ich wollte unbedingt wissen, wie es geschrieben ist und was der Autor uns zu erzählen hat.
Vor 13 Jahren kam "Infinity jest" in den USA raus. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben und seit nun über 5 Jahren arbeitete Übersetzer Ulrich Blumenbach an diesem Opus Magnum dieses Bücherherbstes.
Also, was will man mehr, um sich durch dieses Monstrum durchzulesen:
Ich finde einen Hauch Shakespeare, eine Prise schwarzen und sarkastischen Humor und viele unterschiedliche Anspielungen, Zitate und Begebenheiten, die sich einer Tennisakademie und Entzugsanstalt abspielen.
Auch wenn ich noch nicht am Ende des Buches angekommen bin, so kann ich es jedem bereits jetzt schon empfehlen...denn es macht einen einfach süchtig!
2 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
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