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Eine Bilanz. Erstausgabe aus dem Nachlaß von Thomas Bernhard (buch)
von einer Kundin oder einem Kunden
Ein besonderes literarisches Ereignis ist bereits im Jahr 2009 in Bernhards Frankfurter Stammverlag erschienen - eine repräsentative Textzusammenstellung von des Dichters Auseinandersetzungen mit den von ihm enpfangenen Preisen. Im Falle des ansprechenden, grünen Büchleins reicht die Textauswahl von der Überreichung des Grillparzer-Preises (1972), über die Verleihung des Literaturpreises der Freien Hansestadt Bremen (1962) bis hin zum (kleinen) österreichischen Staatspreis (1967). Ergänzt wird der Band durch ein paar kurze Texte, Ansprachen, die der Schriftsteller bei ebendiesen Verleihungen gehalten hat. Zudem eine editorische Notiz des Herausgebers bzw. Lektors Raimund Fellinger, die kursorisch die Entstehungszeit von "Meine Preise" sowie den Befund dieses Nachlassteiles erörtert. Und die Texte, die hier versammelt sind, lassen die Herzen der Bernhard-Fans ganz sicher höher schlagen - nachgerade "klassisch" beschreibt der Dichter seine Erregungen und wutigen Ausbrüche, die ihn ob der oft stümperhaften Preiszeremonien regelrecht übermannen und die Zornesröte ins Gesicht treibt. Es ist die Nach-Rede von während der Reden eingeschlafenen Ministern ("das leise Ministerschnarchen"), geschmacklosen Urkunden und (besonders dreist!) Preisen ohne Preisgeld ("..eine gemeine Unverschämtheit..."). Wenigstens wird nach den Preisverleihungen anständig und reichlich gegessen und getrunken - na immerhin! Ich garantiere Ihnen mit der Anschaffung dieses Bandes oftmaliges, herzhaftes Lachen und selbstverständlich Welt-Literatur auf allerhöchstem Niveau.
von einer Kundin oder einem Kunden
Zum zwanzigsten Todestag Thomas Bernhards wurde mit "Meine Preise" ein Werk aus seinem Nachlass veröffentlicht. Bernhard berichtet darin in kurzen Abschnitten über seine Erfahrungen mit Literaturpreisen. Jeder Preis, den Thomas Bernhard in seinem Leben bekam, hatte seine Geschichte, und die war mal tragisch, mal komisch, mal beides.
Ich habe "Meine Preise" mit uneingeschränktem Genuss gelesen, denn dieses Buch zeugt nicht nur von Bernhards Sprachkraft, sondern auch von seinem untrüglichen Instinkt für abgründige Details und groteske Situationen. Meiner Meinung nach ist dieses Buch schön boshaft - ohne plump ausfallend zu werden -, ironisch, selbstironisch und unwiderstehlich. Leider war ich durch den geringen Umfang des Buches und durch das außerordentliche Lesevergnügen schon bald auf der letzten Seite angelangt.
von einer Kundin oder einem Kunden
Aus dem Nachlass ist ein neues Buch von Thomas Bernhard erschienen: Meine Preise ist eine Sammlung von neun Prosastücken über die Verleihungen von verschiedenen Literaturpreisen, meist für Frost. Darin wütet Bernhard mit bekanntem Furor: Der Staat überschüttet seine arbeitenden Bürger mit Ehren und überschüttet sie in Wirklichkeit mit Perversitäten und Gemeinheiten, sagte ich. Er schildert die Preisverleihungen als skurrile Aufführungen, wie aus einem seiner Stücke entsprungen. Da wird Bernhard erst nicht erkannt, gibt sich auch nicht zu erkennen und amüsiert sich dann über die Hektik, die ausbricht, als der Preisträger dann gesucht wird. Eine Ministerin schläft während des Festakts ein (Grillparzerpreis), ein anderer stürmt bei der berühmt gewordenen Bernhardschen Dankesrede zum österreichischen Staatspreis (es ist nichts zu loben, nichts zu verdammen, nichts anzuklagen, aber es ist vieles lächerlich; es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.) wutentbrannt aus dem Saal. Bei aller Abscheu nimmt er aber doch die Preise entgegen, weil er das damit verbundene Geld gut gebrauchen kann. Er konnte damit einen Teil seines Hauses in Natal anzahlen, die Szene, in der er mit dem Immobilienhändler und seiner Tante das desolate Haus besichtigt, ist wirklich komisch!
Für alle Bernhard-Fans ein unbedingtes Muss, und für alle anderen ein komisch-kurios-furioser Lesegenuss.
Rezension von Susanne Zimmer aus St. Pölten
20 Jahre nach dem Tod Thomas Bernhards präsentiert nun der Verlag Suhrkamp die Prosaarbeit "Meine Preise" aus dem Nachlass des österreichischen Schriftstellers. Dem Leser wird ein Einblick in das Leben der unangepassten Schriftstellerpersönlichkeit gewährt. Der Fokus in diesem Werk liegt auf Bernhards Berichten der Preisverleihungszeremonien, im Zuge derer er für sein literarisches Schaffen ausgezeichnet wurde.
Der Literaturpreisverächter sah in seinen "Preisen" jedoch keinen emotionalen Wert, er schätzte oder vielmehr akzeptierte die Ehrungen allenfalls aufgrund der damit verbundenen Geldbeträge.
Typisch für Thomas Bernhard, der sich selbst als "Geschichtenzerstörer" bezeichnete, ist sein unverwechselbarer literarischer Stil und die schonungslos direkte Sprache, die in dem Erzählband ebenfalls zur Geltung kommen. Bernhard verachtete alle Auszeichnungen, wie man ihn als "enfant terrible" der österreichischen Literatur verachtete. Der "Nestbeschmutzer", von einer Hassliebe zu Österreich geprägt, provozierte und polarisierte.
Im Anhang nachzulesen sind die Reden Bernhards, aufgrund derer er von einer Wiener Zeitung als "Wanze, die man vertilgen müsse" bezeichnet wurde.
Beißend, selbstironisch und voller (Selbst)Hass brilliert Bernhard in dieser Sammlung.
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