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Roman von Stewart O'Nan (buch)
von einer Kundin oder einem Kunden
Stewart O' Nan ist für mich einer der besten Autoren amerikanischer Gegenwartsliteratur. Selbst in einfach gehaltenen Erzählsträngen schafft er es meisterhaft einen unglaublichen Spannungsbogen aufzubauen und mit seinem Blick für wesentliche Details beschreibt er ganze "Universen" auf wenigen Seiten (ja, bei ihm steht auch viel zwischen den Zeilen). "Letzte Nacht" ist dafür wohl eines der besten Beispiele. Ein kleines Restaurant einer Kette an einer Fernstrasse öffnet zum letzten Mal seine Pforten und O' Nan begleitet die Mitarbeiter, den Filialleiter auf ihren letzten gemeinsamen Stunden, bevor sich für alle so vieles ändern wird. Und auch für den Leser ändert sich so manches während der Lektüre dieses herrlichen Büchleins. Absolute Empfehlung von meiner Seite!
von einer Kundin oder einem Kunden
In diesem fabelhaften Roman werden Sie sich vielleicht wieder finden.
Vielleicht erkennen Sie sich im Filialleiter wieder, der zum letzten Mal an einem grauen Tag im Dezember seine Restaurantfiliale öffnet bevor sie für immer schließen wird.
Vielleicht jedoch aber eher in den Angestellten, die zum letzten Mal ihrem Alltagstrott nachgehen müssen und zum Teil wissen, dass sie nach diesem Arbeitstag nicht in einer anderen Filiale übernommen werden. Oder vielleicht auch als Restaurantbesucher, der auch mal mit der Bedienung unzufrieden ist.
Hier sieht man das Leben vor sich, wie es sich oft abspielt: mal eintönig, mal aufregend, mal nervig, mal traurig oder auch mal lustig. "Letzte Nacht" ist eine wundervolle lebensnahe Geschichte, die einem sehr vertraut vorkommt.
Wie das Leben eben so ist.
Rezension von Polar aus Aachen Top-100 Rezensent
Stewart O'Nan ist der Meister der kurzen Form. Wie bei einer Novelle beschränkt er seine Geschichte in Letzte Nacht auf einen Ort, auf einen Tag, auf eine Handvoll Menschen, die im Übergang leben. Das Red Lobster schließt eine seiner Filialen, obwohl zumindest dem Geschäftsführer Manny nicht ganz klar ist, warum. So schlecht waren die Zahlen nicht. Einige seiner Mitarbeiter werden übernommen, für andere ist es der letzte Arbeitstag. Ein Bus Chinesen, denen übel ist, zwei eingeschlagene Windschutzscheiben, ein unartiges Kind und eine ausgestandene Affäre zwischen Manny und einer Angestellten: vielmehr passiert nicht. Und doch wird von dem ganzen Abenteuer erzählt, das die Menschheit abseits der Fernsehgeräte und Werbeversprechungen ausmacht. ONan gelingt es meisterhaft, in seinem kleinen Kosmos die Welt zu spiegeln. Seine Menschen funktionieren, obwohl draußen die Stadt im Schnee versinkt, sie warten auf Gäste, bedienen sie, schlagen sich mit eigenen Hoffnungen und Enttäuschungen herum und lassen keinen Zweifel daran, dass es nächste Woche, nächstes Jahr, an einem anderen Ort, in anderer Zusammensetzung nicht genauso ist. Der Held Manny macht sich selbst, als er wehmütig das Restaurant verläßt, noch Gedanken darüber, ob er alles zur Zufriedenheit seines Arbeitgebers erledigt, ob er nicht etwas abzuschalten vergessen hat. Währenddessen schwimmen die Lobster, die er zu viel bestellt hat, mit zugebundenen Scheren im Aquarium. Ein Bild, das auf die Menschen in dieser beeindruckenden Geschichte paßt. Die Lobster werden wohl in einer anderen Filiale verzehrt werden. Und Manny und seine Crew nie merken, dass ihre Scheren längst außer Gefecht gesetzt wurden.
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