Zu Valentin portofrei vom 01.02.2012-09.02.2012
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von Herbert Rosendorfer (buch)
Rezension von Lothar W. Pawliczak aus Berlin
Die Broschüre hält zumindest, was ihre ansprechende Aufmachung mit zwei schönen Farbphotos verspricht: Ausgezeichnete Textgestaltung, übersichtliche Signalinformationen auf der Randleiste, Farbphotos und ordentliche, farbige Kartenausschnitte. Präzise Quellenangaben und Literaturhinweise allerdings fehlen - man meint ja wohl, das dürfe es in einem populären Buch nicht geben. Ein Namensverzeichnis, das ebenfalls fehlt, ist allerdings für die Konzeption des Buches, das vorrangig auf die in den Kirchen präsenten Kunstwerke und Künstler orientiert, geradezu unerlässlich.
Wenn man viel schreibt (für Rosendorfer müßte man aus "Vielschreiber" einen Supersuperlativ bilden), schleichen sich auch schon mal Fehler ein - ich kürze ab: Es sind zu viele!
Wer über Kirchen Venedigs schreibt, sollte einleitend die besondere Stellung der Kirche in der "Venezianischen Adelsrepublik" erläutern. Etwa die für das westliche Christentum ungewöhnliche Verehrung alttestamentarischer Propheten als Heilige (das ist dem Autor wenigstens S. 202 aufgefallen), die einzigartige und gegen Ansprüche der Päpste behauptete Sonderstellung Venedigs in der Katholischen Kirche, die inneren Auseinandersetzungen, ob eine mehr auf den Papst orientierte Politik oder die traditionelle Eigenständigkeit weiter verfolgt werden sollte usw. Das ist ROSENDORFER anscheinend alles unbekannt. Rosendorfer weiß aber - auch nicht ganz korrekt - zu sagen, daß "die fast ständigen Streitereien zwischen Venedig und dem Papst... nicht selten zu blutigen Kriegen führten". (S. 165) Schließlich: Statt immer wieder geradezu reflexartig auf unsichere Überlieferungen zu Heiligen und auf zweifelhafte Herkunft von Reliquien zu verweisen, wäre besser allgemein darzulegen, warum unsere Altvorderen solcher Hilfsmittel des Glaubens bedurften, während die aufgeklärte Menschheit - wenn ich recht bedenke ist das eine verschwindende Minderheit - darauf zu verzichten zu können glaubt.
Neben einigen Sätzen zur Architaktur und Baugeschichte wäre aber auch etwas zur jeweiligen Funktion der Kirche (Pfarrkirche, Ordenskirche, Votivkirche, Pilgerkirche usw.) zu sagen gewesen, um jeweils die Besonderheit der Bauart zu verstehen.
Rosendorfers immer wieder durchscheinende antikatholische Einstellung mag vielleicht für den einen oder anderen Leser anstößig sein, fällt aber unter die Freiheit der Meinungsäußerung, vielleicht ja auch noch die Bemerkung, der heilige Ambrosius sei einer "der größten Halunken im Heiligenkalender" (S. 66). Für etwas despektierlich kann man halten: "Wenn es eine Hölle gibt, wird dieser ,Heilige' allein dieses Ausspruchs wegen dort schmoren." (S. 123) Gemeint ist der - in der Tat problematische - Satz des heiligen Papst Pius V.: "Wenn ich wüsste, daß mein eigener Vater ein Ketzer ist, würde ich persönlich das erste Scheit zu seinem Scheiterhaufen tragen." S. 171 setzt Rosendorfer aber noch eins drauf und bezeichnet die Dominikaner als "besonders blutrünstig" und als "Henker des Vatikans". Meines Wissens gab es in Venedig nicht "weit weniger Ketzerverbrennungen als anderswo" (Ebd.), sondern überhaupt keine. Daß Rosendorfers antikirchliche Einstellung dazu führt, S. 155 zu verschweigen, daß nicht nur Antonio Vivaldi, sondern auch Pietro Barbo, das ist der spätere Papst Paul II., in S.Giovanni in Bragora getauft wurde und in der Kirche links neben dem außerordentlich wertvollen Taufbecken (auch das wird unterschlagen) ein Porträt des Papstes hängt, kann aber nicht akzeptiert werden.
Meinung entlarvt sich selbst als Ideologie, wo sie Tatsachen nicht mehr wahrnimmt! Mehr muß man zu diesen Buch eigentlich nicht sagen!
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