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Die Herren der Zäune

Die Herren der Zäune

Roman. Aus d. Engl. v. Katharina Böhmer von Magnus Mills (buch)

Einen Zaun zu bauen ist eigentlich eine simple Angelegenheit: Man gräbt Löcher in die Erde, setzt einen Pfahl hinein und dann noch einen und noch einen, dann spannt man Drähte dazwischen usw. Hat man es allerdings mit Zaunbauern wie Tam und Richie zu tun, wortkargen Heavy-Metal-Fans, ... weiterlesen
  • ISBN-10:3-518-39883-0
  • EAN:9783518398838
  • Erscheinungstermin:29.05.2009
  • Verlag:Suhrkamp Verlag
  • Einband:Taschenbuch
  • OriginaltitelThe Restraint of Beasts
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  • Sprache:Deutsch
  • Auflage:4. Auflage
  • Seiten:216
  • Gewicht:142 g
  • Übersetzer:Katharina Böhmer
  • Reihe:suhrkamp taschenbücher Allgemeine Reihe
  • Länge:177 mm
  • Breite:108 mm
  • Höhe:19 mm

Kurzbeschreibung:

Einen Zaun zu bauen ist eigentlich eine simple Angelegenheit: Man gräbt Löcher in die Erde, setzt einen Pfahl hinein und dann noch einen und noch einen, dann spannt man Drähte dazwischen usw. Hat man es allerdings mit Zaunbauern wie Tam und Richie zu tun, wortkargen Heavy-Metal-Fans, die immer im Doppelpack auftreten und sich nur widerwillig von Schottland nach England versetzen lassen, dann wird so ein Zaunbau zu einer bizarren Unternehmung. Die englische Landschaft ist gnadenlos trist, das Glück besteht in ereignislosen Kneipenbesuchen am Abend. Ungeschicklichkeiten führen zu Unfällen mit tödlichen Folgen für diverse Auftraggeber - aber aufs Vergraben sind die beiden ja spezialisiert. Lakonik ist der herrschende Tonfall bei Mills. Die merkwürdigen Geschäftspraktiken der Hall-Brüder, in deren Zaunbau-Territorium die beiden Schotten samt ihrem englischen Vorarbeiter nichts ahnend eingedrungen sind, schweben als immer düsterer werdende Bedrohung über der Sache. Magnus Mills hat ei nen Blick für das Skurrile, das im Alltäglichen steckt, und versteht es, den Umschlag ins Absurde nur allzu logisch erscheinen zu lassen: Dienen die besonders hohen Elektrozäune am Ende dazu, nicht Tiere, sondern Menschen einzupferchen? Werden Tam und Richie in der Wurstfabrik der Gebrüder Hall der gerechten Strafe für ihre vertuschten Morde überführt?
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„Das Leben ist eine Baustelle”

04.04.2008

Rezension von SPASSPREDIGER aus www.spassprediger.de Top-100 Rezensent

Richie und Tam sind ein Team. Sie rauchen im Team, sie trinken im Team und wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, arbeiten die beiden Schotten sogar im Team: der eine hebt Löcher aus, der andere rammt Zaunpfähle hinein und gemeinsam spannen die beiden den Draht dazwischen, der aus bloßen Pfählen in Löchern einen Weidezaun macht.

Das Unternehmen, in dessen Auftrag Tam und Richie arbeiten, beschäftigt drei solcher Teams, denen jeweils außerdem noch ein Vorarbeiter angehört; und es ist Tams und Richies Vorarbeiter, aus dessen Perspektive Magnus Mills seine Geschichte erzählt. Viel erfahren wir nicht über den Erzähler: er ist Engländer, und zu seinem Posten als Vorarbeiter kommt er wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde. Eines Tages ernennt ihn Firmenchef Donald einfach dazu und eröffnet ihm gleichzeitig, das Trio habe in Bälde eine Reise zu einem Kunden in England anzutreten.

Ein Arbeitseinsatz in England? Für Tam und Richie kommt das schon fast einer Operation hinter feindlichen Linien gleich. Schlimm genug, dass der Vorarbeiter auch noch selbst einer von diesen Engländern ist.

Der Zaunbau gestaltet sich mühselig: Das Wetter ist widrig, das Duo aus Tam und Richie wenig dynamisch und die Verpflegung bietet ähnlich wenig Abwechslung wie die eher freudlosen Feierabende in der Dorfkneipe. Als sei das nicht genug, wird die Arbeit zudem immer wieder von unglücklichen Unfällen mit Todesfolge gebremst.

Im Laufe der Handlung fügt es sich immer wieder, dass wer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, und der unzufriedene Ex-Kunde Mr. McCrindle ist nur das erste Opfer der grobmotorischen Wiederholungstöter Tam und Richie. Jeder Sterbefall wird freilich mit stoischer Gleichmut aufgenommen, und die Überreste der verunfallten Herrschaften werden ganz diskret und in Eigenregie unter die Erde gebracht: Der Tod, den Eindruck gewinnt man beim Lesen, hat für diese drei keinen Stachel, und sein Eintritt scheint nur eine weitere Banalität in einem zum Ritual erstarrten Alltag zu sein.

Magnus Mills’ Erzählung bezieht ihren Reiz vor allem aus dem nüchternen, abgeklärten Ton, in dem er seine Hauptfigur die Widrigkeiten eines Tour-Lebens der besonderen Art schildern lässt: Alles wird in offenbar unerschütterliche Lakonik gekleidet in diesem Roman, der sehr britisch ist – britisch im Sinne jenes nationalen Stereotyps, demzufolge typisch britischer Humor „schwarz“ zu sein habe und der Brite selbst ein Meister im „Understatement“ ist, jener hohen Kunst, die Dinge in einem oft ans Absurde grenzenden Maße herunterzuspielen.

Empfehlen kann ich „Die Herren der Zäune“ allen Zeitgenossen mit Sinn für britischen, schwarzen Humor jenseits der Monty Python’s: Mich hat die knappe, prägnante Prosa von Mills’ Buch streckenweise an die Bücher von Roddy Dolye („Die Commitments“) und Frank McCourt („Die Asche meiner Mutter“) erinnert; zeitweise habe ich außerdem an die englische TV-Serie „A League of Gentlemen“ denken müssen.

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