Willkommen
(Anmelden)
Roman. Aus d. Engl. v. Katharina Böhmer von Magnus Mills (buch)
Rezension von SPASSPREDIGER aus www.spassprediger.de Top-100 Rezensent
Richie und Tam sind ein Team. Sie rauchen im Team, sie trinken im Team und wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, arbeiten die beiden Schotten sogar im Team: der eine hebt Löcher aus, der andere rammt Zaunpfähle hinein und gemeinsam spannen die beiden den Draht dazwischen, der aus bloßen Pfählen in Löchern einen Weidezaun macht.
Das Unternehmen, in dessen Auftrag Tam und Richie arbeiten, beschäftigt drei solcher Teams, denen jeweils außerdem noch ein Vorarbeiter angehört; und es ist Tams und Richies Vorarbeiter, aus dessen Perspektive Magnus Mills seine Geschichte erzählt. Viel erfahren wir nicht über den Erzähler: er ist Engländer, und zu seinem Posten als Vorarbeiter kommt er wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde. Eines Tages ernennt ihn Firmenchef Donald einfach dazu und eröffnet ihm gleichzeitig, das Trio habe in Bälde eine Reise zu einem Kunden in England anzutreten.
Ein Arbeitseinsatz in England? Für Tam und Richie kommt das schon fast einer Operation hinter feindlichen Linien gleich. Schlimm genug, dass der Vorarbeiter auch noch selbst einer von diesen Engländern ist.
Der Zaunbau gestaltet sich mühselig: Das Wetter ist widrig, das Duo aus Tam und Richie wenig dynamisch und die Verpflegung bietet ähnlich wenig Abwechslung wie die eher freudlosen Feierabende in der Dorfkneipe. Als sei das nicht genug, wird die Arbeit zudem immer wieder von unglücklichen Unfällen mit Todesfolge gebremst.
Im Laufe der Handlung fügt es sich immer wieder, dass wer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, und der unzufriedene Ex-Kunde Mr. McCrindle ist nur das erste Opfer der grobmotorischen Wiederholungstöter Tam und Richie. Jeder Sterbefall wird freilich mit stoischer Gleichmut aufgenommen, und die Überreste der verunfallten Herrschaften werden ganz diskret und in Eigenregie unter die Erde gebracht: Der Tod, den Eindruck gewinnt man beim Lesen, hat für diese drei keinen Stachel, und sein Eintritt scheint nur eine weitere Banalität in einem zum Ritual erstarrten Alltag zu sein.
Magnus Mills Erzählung bezieht ihren Reiz vor allem aus dem nüchternen, abgeklärten Ton, in dem er seine Hauptfigur die Widrigkeiten eines Tour-Lebens der besonderen Art schildern lässt: Alles wird in offenbar unerschütterliche Lakonik gekleidet in diesem Roman, der sehr britisch ist britisch im Sinne jenes nationalen Stereotyps, demzufolge typisch britischer Humor schwarz zu sein habe und der Brite selbst ein Meister im Understatement ist, jener hohen Kunst, die Dinge in einem oft ans Absurde grenzenden Maße herunterzuspielen.
Empfehlen kann ich Die Herren der Zäune allen Zeitgenossen mit Sinn für britischen, schwarzen Humor jenseits der Monty Pythons: Mich hat die knappe, prägnante Prosa von Mills Buch streckenweise an die Bücher von Roddy Dolye (Die Commitments) und Frank McCourt (Die Asche meiner Mutter) erinnert; zeitweise habe ich außerdem an die englische TV-Serie A League of Gentlemen denken müssen.
1 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
© buch.ch – Online Die Herren der Zäune von Magnus Mills bestellen