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Der Ball
 

Der Ball

von Irène Némirovsky (buch)

Eigentlich galt die Ehe von Madame Kampf mit einem jüdischen Bankangestellten in ihrer Familie als Mesalliance. Doch dann sind die Kampfs 1926 durch eine Börsenspekulation zu Reichtum gekommen. Jetzt trägt Madame ein schweres Brillantarmband, das sie nur noch zum Baden ablegt, ... weiterlesen
  • ISBN-10:3-552-05361-1
  • EAN:9783552053618
  • Erscheinungstermin:2005
  • Verlag:Zsolnay
  • Einband:gebunden
  • Kundenbewertung:
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  • Sprache:Deutsch
  • Seiten:98
  • Gewicht:199 g
  • Übersetzer:Claudia Kalscheuer

Kurzbeschreibung:

Eigentlich galt die Ehe von Madame Kampf mit einem jüdischen Bankangestellten in ihrer Familie als Mesalliance. Doch dann sind die Kampfs 1926 durch eine Börsenspekulation zu Reichtum gekommen. Jetzt trägt Madame ein schweres Brillantarmband, das sie nur noch zum Baden ablegt, und die vierzehnjährige Tochter Antoinette wird von einer englischen Gouvernante erzogen. Demnächst will das Ehepaar einen Ball geben, zu dem zweihundert Gäste aus Adel und Geldadel geladen werden sollen, um den Aufstieg der Kampfs in die feine Pariser Gesellschaft zu zelebrieren. Bei den Vorbereitungen zu diesem Ball nimmt ein Eifersuchtsdrama zwischen Mutter und Tochter seinen Anfang.
Die Neuauflage eines erstmals 1930 erschienenen Werks einer grossen Autorin, deren Wiederentdeckung bevorsteht.

Als Madame Kampf das Studierzimmer betrat, zog sie die Tür derart schroff hinter sich zu, dass der Kristallüster im Luftzug klingelte wie reines, leises Glöckchengeläut. Doch Antoinette, die so tief über das Pult gebeugt sass, dass ihr Haar die Buchseite streifte, hatte nicht aufgehört zu lesen. Ihre Mutter sah sie einen Augenblick wortlos an; dann baute sie sich vor ihr auf, die Arme vor der Brust verschränkt.
"Du könntest dir die Mühe machen aufzustehen, wenn du deine Mutter siehst, mein Kind", fuhr sie sie an. "Oder vielleicht nicht? Klebt dein Hintern am Stuhl fest? Wie vornehm... Wo ist Miss Betty?"
Im Nebenzimmer begleitete das Surren einer Nähmaschine ein Lied, What shall I do, what shall I do when you ll be gone away, das von einer unbeholfenen, frischen Stimme geträllert wurde.
"Miss", rief Madame Kampf, "kommen Sie mal her."
"Yes, Mrs. Kampf."
Die kleine Engländerin mit den roten Wangen, den verschreckten, sanften Augen und einem honigblonden, um das runde Köpfchen geschlungenen Haarkranz schlüpfte durch den Türspalt herein.
"Ich habe Sie eingestellt", setzte Madame Kampf streng an, "damit Sie meine Tochter beaufsichtigen und unterrichten, nicht wahr? Und nicht, damit Sie sich Kleider nähen... Weiss Antoinette etwa nicht, dass man aufsteht, wenn die Mutter hereinkommt?"
"Oh! Ann-toinette, how can you?" säuselte die Miss bekümmert.
Antoinette war inzwischen aufgestanden und schaukelte linkisch auf einem Bein. Sie war ein grosses, kaum entwickeltes Mädchen von vierzehn Jahren, mit dem typischen blassen Gesicht dieses Alters, so blutarm, dass es in den Augen der Erwachsenen wie ein heller runder Fleck wirkt: unausgeprägte Züge, gesenkte Lider, Augenringe, ein verschlossener kleiner Mund... Vierzehn Jahre, die Brüste, die unter dem engen Schülerinnenkleid wachsen und den schwachen, kindlichen Körper stören und plagen... Die grossen Füsse und diese langen Röhren mit den roten Händen, den tintenbefleckten Fingern daran,
die eines Tages vielleicht die schönsten Arme der Welt sein werden, wer weiss?... Ein zarter Nakken, darüber kurzes, farbloses Haar, trocken und leicht.
"Wirklich, Antoinette, deine Manieren sind zum Verzweifeln, mein armes Kind... Setz dich. Ich komme jetzt noch einmal herein, und du wirst mir den Gefallen tun, sofort aufzustehen, verstanden?"
Madame Kampf trat ein paar Schritte zurück und öffnete die Tür ein zweites Mal. Antoinette erhob sich langsam und so offensichtlich widerwillig, dass ihre Mutter drohend den Mund zusammenkniff und scharf fragte: "Hat Mademoiselle vielleicht etwas dagegen?"
"Nein, Maman", antwortete Antoinette leise.
"Warum ziehst du dann so ein Gesicht?"
Antoinette zwang sich zu einem schwachen Lächeln, das ihre Züge schmerzlich verzerrte. Manchmal hasste sie die Erwachsenen so sehr, dass sie sie am liebsten umgebracht oder ihnen das Gesicht zerkratzt hätte, sie hätte aufstampfen und schreien mögen: "Nein, rutsch mir doch den Buckel runter!" Doch sie fürchtete ihre Eltern von frühester Kindheit an. Als Antoinette noch kleiner war, da hatte ihre Mutter sie oft auf den Schoss genommen, an ihr Herz gedrückt, gestreichelt und geküsst. Aber das hatte Antoinette vergessen. Hingegen hatte sie tief in ihrem Inneren den Klang einer zornigen Stimme bewahrt, die über ihren Kopf hinweg zeterte, "dass mir diese Kleine dauernd zwischen den Füssen herumlaufen muss...", "schon wieder hast du mit deinen dreckigen Schuhen mein Kleid beschmutzt! Ab in die Ecke, damit du es endlich lernst, hörst du? Dummes Balg!", und eines Tages damals hätte sie zum ersten Mal sterben mögen bei einem Streit an einer Strassenecke jenen wütenden Satz, so laut herausgeschrien, dass sich die Passanten nach ihnen umgedreht hatten: "Willst du eine Ohrfeige? Ja?", und ihre brennende Wange... Mitten auf der Strasse... Sie war elf Jahre alt und gross für ihr Alter... Die Passanten, die Erwachsenen, das war nicht so schlimm; aber genau in diesem Moment waren ein pa
Irène Némirovsky:
Irène Némirovsky, geb. 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren, kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman 'David Golder', der sie schlagartig berühmt und zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13.7.1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als Suite française veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde.
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„Wunderbare Novelle”

01.04.2007

von einer Kundin oder einem Kunden

Eine kleine feine gemeine Geschichte über Mutter + Tochter im Konkurenzkampf, über Eitelkeit und Ignoranz, über den Abgesang einer bereits vergangenen Zeit. Wunderbar erzählt. Das Buch ist eine kleine Perle im Büchermeer.

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: David Golder // Der Fall Kurilov beide von Irene Nemirovsky

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„Phantastische Wiederentdeckung”

19.10.2006

von einer Kundin oder einem Kunden

Glänzende Formulierungen und eine messerscharfe Beobachtungsgabe mit zynischen und ironischen Seitenhieben auf eine längst untergegangene Epoche. Vom Stil dieser Autorin kann man süchtig werden. Nach dieser Novelle möchte man von der Autorin, die auf so tragische Weise gestorben ist, gern mehr lesen. Ich habe danach den Roman SUITE FRANCAISE gelesen, der ebenfalls durch geschliffene und stilsichere Formulierungen besticht. Hoffentlich werden von dieser Autorin bald mehr Romane ins Deutsche übersetzt oder Hörbücher herausgegeben.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: SUITE FRANCAISE

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„Eine wunderschöne Novelle”

07.06.2006

Rezension von C. Paeschke aus München

Wer dieses Buch einfach nur nett findet, der irrt gewaltig. Es ist sehr viel vielschichtiger als es zunächst vermuten lässt. Die bitterböse zynische, und zugleich verzweifelte Beobachtung eines Mädchens, welche die Verlogenheit seiner möchtegern reichen Eltern entlarvt.
Zwei Stunden Lesevergnügen, klein aber fein, in sprachlich wunderschönen Bildern.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: Suite Francaise

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„Nett für Zwischendurch”

12.01.2006

von einer Kundin oder einem Kunden


Dieses Buch wurde in der Sendung "Lesen" vorgestellt. Normalerweise renne ich dann nicht gleich in den Laden, um die empfohlene Lektüre zu kaufen. Hier machte ich eine Ausnahme aus mehreren Gründen:
- die Geschichte klingt interessant
- es ist mit ca. 88 Seiten sehr dünn
- es wurde um 1930 herausgebracht und nun wieder als Neuauflage.

Es ist gute Unterhaltung, das Buch kann man in einem Rutsch weglesen.

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