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Das Schatten-Prinzip
 

Das Schatten-Prinzip

Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite von Ruediger Dahlke (buch)

Eine faszinierende Reise in das Schattenreich der SeeleNach C.G. Jung ist der Schatten das gesamte Unbewusste. Er ist das Wesen, das wir lieber nicht wären, letztendlich aber doch werden müssen, um zur Ganzheit zu gelangen. Insofern empfinden wir den Schatten, bzw. unsere ... weiterlesen
  • buch.ch-Verkaufsrang:965
  • ISBN-10:3-442-33881-6
  • EAN:9783442338818
  • Erscheinungstermin:30.08.2010
  • Verlag:Arkana Verlag
  • Einband:gebunden
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  • Sprache:Deutsch
  • Auflage:5. Auflage
  • Seiten:312
  • Gewicht:553 g
  • Länge:215 mm
  • Breite:135 mm
  • Höhe:31 mm

Kurzbeschreibung:

Eine faszinierende Reise in das Schattenreich der Seele


Nach C.G. Jung ist der Schatten das gesamte Unbewusste. Er ist das Wesen, das wir lieber nicht wären, letztendlich aber doch werden müssen, um zur Ganzheit zu gelangen. Insofern empfinden wir den Schatten, bzw. unsere »dunkle Seite«, äußerst zwiespältig: Er stößt uns ab und fasziniert zugleich. Arbeit mit dem Schatten dient der Bewusstwerdung und ist im wahren Sinn des Wortes Lichtarbeit.


Ruediger Dahlke zeigt in seinem aktuellen Buch, wie wir den eigenen Schatten aufspüren und konfrontieren, um ihn schließlich annehmen und integrieren zu können. Wer sich auf die hier vorgestellte Schattenarbeit einlässt, wird offener, freundlicher und toleranter - sich selbst und anderen gegenüber.






Pressestimmen:

"Dieses Werk gibt uns viele wichtige Anleitungen, auch wenn wir mit großer Wahrscheinlichkeit das Kapitel Schatten ein ganzes Leben lang nicht abschließen werden." (Spuren)

Zusatzinformationen (Zitat):

"Der Autor zeigt in diesem Buch, wie wir in den unterschiedlichen Begegnungs- und Erlebniswelten den Schatten aufspüren können."
Aus eigener Anschauung lernen
Die Aussöhnung mit dem eigenen Schattenreich ist das höchste und tiefste Ziel zugleich, das sich ein Mensch stecken kann - und als Ziel für ein Buch sehr hoch gegriffen. Somit handelt es sich hier auch nicht um ein Lese-Buch im herkömmlichen Sinn, sondern mehr um eine Schattenreise mit praktischen Übungsstationen. Es wäre deshalb wundervoll und wichtig zugleich,
- von Anfang an und parallel zur Lektüre ein Schattentagebuch zu führen. Darin wären sowohl die Ergebnisse der Zwischenfragen und Tests festzuhalten als auch die in den Übungen und Meditationen gesammelten Erfahrungen. Wenn Sie dies wirklich tun, werden Sie staunen, wie wichtig Ihnen dieses eigene Schattenbuch wird und wie es ganz nebenbei die Essenz Ihrer persönlichen Schattengeschichte sammelt.
- Die beiliegende CD liefert weitere praktische Einstiegsmöglichkeiten in die Seelen-Bilder-Welt. Die angewandte Technik der geführten Meditation ist sehr einfach und beeindruckend bewusstseinserweiternd. Sie müssten nur die jeweilige innere Reise an der jeweils im Buch angegebenen Stelle absolvieren. Damit ergibt sich eine ideale Ergänzung des Schattentagebuches. Während das Buch Ihnen hilft, mit allen detektivischen Tricks und Raffinessen dem Schatten auf die Schliche zu kommen - im Sinne einer so berühmten Spürnase wie Sherlock
Holmes -, erfüllen die Reisen der CD die Rolle eines Dr. Watson, des weniger cleveren, aber dafür intuitiveren und seelenerfahrenen Detektivgehilfen, der seinen Beitrag vom Herzen und aus dem Bauch heraus liefert. ? Die im Buch verstreuten Anregungen, sich bestimmte (Kino-) Filme zu Hause auf DVD anzuschauen, bringen äußere Schatten-Licht-Bilder mit ins Spiel und verbinden sie in anschließenden Übungen mit den inneren Seelen-Bilder-Welten zu einem Ganzen, das viel mehr ist als die Summe seiner Teile.
Die Reise in die eigene Schattenwelt findet also im Idealfall auf mehreren Ebenen statt: der des Lesens und Verstehens, der des Erlebens bei den im Buch gestellten Fragen, vorgeschlagenen Übungen, Ritualen, CD- und Film-Meditationen und bei ihrer aller Verbindung im Schattentagebuch. Letzteres wird auf diese Weise zum eigenen Buch der Schatten. Am besten wäre es, wenn mit der Zeit bereits das Lesen innere Bilder heraufbeschwören würde, die sich auf den Gedanken-Bilder-Ausflügen der beigefügten CD noch vertiefen könnten.
Kurz gesagt geht es darum, den eigenen Schatten aufzuspüren, sich mit ihm auseinanderzusetzen und zu konfrontieren - und ihn schließlich anzunehmen, im Sinne von ihn lieben zu lernen. Da Sie hier also mehr ein Programm als ein Buch und streckenweise sogar Therapie vor sich haben, werden Sie auch nicht auf streng logisch ausgerichtete Pfade geschickt. Sie werden vielmehr erleben, dass sich Theorie und Praxis auf dem Schattenweg absichtlich immer mehr vermischen. Das Buch eignet sich daher weniger zum raschen Durchlesen. Es bringt mehr Gewinn, wenn Sie es immer wieder einmal zur Hand nehmen, um sich mittels Theorie und Praxis bisher Unbewusstes bewusst zu machen und Licht in das Schattenreich zu bringen. Sie haben dafür viel Zeit, ein ganzes Leben lang - mit oder ohne Buch, mit oder ohne Therapie.
Das Buch könnte gut auf dem Nachttisch bereitliegen. Wenn der Schatten der Nacht sich über uns senkt, ist die Zeit günstig für die freiwillige Schattenbegegnung, die zunehmend mehr Licht und damit auch mehr Freude ins Leben bringen wird. Immer mehr wird es sogar Spaß machen, Stück für Stück eigenes Dunkel zu durchlichten und dabei bewusster und weiter, offener und freundlicher zu werden - den anderen, aber vor allem auch sich selbst gegenüber. Die Schattenreise ist mit Sicherheit die spannendste Abenteuerreise, die wir uns vornehmen können, und dieses Buch mag Ihnen dazu als Reiseführer dienen, unter der Devise: »Dies über alles: sei dir selber treu.«1
Was ist eigentlich mit Schatten gemeint?
Der Schatten ist das angstmachende Unbekannte. So dunkel er auch oft gemalt wird, birgt er doch Zugang zu allem Licht in einem selbst, das jede Form von Bewusstwerdung und erst recht Erleuchtung braucht. Schatten ist damit der eigentliche Schlüssel zum Leben, obwohl er meist als das Finstere, Böse diffamiert wird. Letzteres ist er natürlich auch, aber eben nicht nur. Für C. G. Jung, den Vater der Schatten-Psychotherapie, ist der Schatten einfach das gesamte Unbewusste. Grundsätzlich sind alle Symptome - ob körperlich, seelisch oder geistig oder aus dem Sozialbereich - Ausdruck von Schatten.
Das Schreiben dieses Schattenbuches hat mir deutlich gemacht, wie sehr das Gros meiner Bücher mit diesem Thema zu tun hat. Eigentlich war ich knapp dreißig Jahre lang nichts anderes als ein Schattentherapeut und habe selbst einiges an Schattentherapie durchlebt. Aber auch ich scheine das Thema noch immer nicht abschließend durchgearbeitet zu haben, wie dieses Buch zeigt. Die Schattenthemen begleiten mich, und Sie als mein Publikum machen es mir oft bewusst, wofür ich Ihnen an dieser Stelle danken möchte. Gibt es zum Beispiel bei einem Vortrag einen großen Büchertisch, denken viele und sagen einige: »Der kriegt den Hals auch nicht voll.« Gibt es keinen, sagen dieselben: »Jetzt ist er sich zum Bücherverkauf schon zu schade.« Oder: »Wahrscheinlich hat er ja genug verdient.« Andere aber sagen und denken angesichts der vielen Bücher: »Der ist aber fleißig«, und sie bewundern die Arbeit und sprechen mich darauf an. Gibt es keinen Büchertisch, neigen diese Menschen zu Gedanken wie: »Scheint wirklich bescheiden zu sein, zeigt seine Bücher nicht mal her.« Für Letztere ist die eigene Kreativität und Bescheidenheit ihr Schattenthema, und sie wollen sie entwickeln. Bei den Erstgenannten liegen ihr eigenes Geldproblem und ihre eigene Geschäftstüchtigkeit im Schatten. Für sie habe ich das Buch Die Psychologie des Geldes geschrieben. Beide Gruppen haben mit mir zu tun!
Neben vergleichsweise harmlosen Symptomen und Fehlleistungen als Ausdruck von Schattenthemen wie Geiz oder Schüchternheit kennen wir alle drastische Beispiele für den Einbruch des Schattens in das tägliche Leben, die erschrecken, weil sie so unerwartet und gewaltsam sind. Dazu eine typische Geschichte: Von dem immer freundlichen und treusorgenden Familienvater, Herrn B., der sich nie etwas hatte zuschulden kommen lassen, sind alle gewohnt, dass er für seine Familie eigene Interessen zurückstellt. Als ausgesprochen hilfsbereit gegenüber den Verwandten und Nachbarn bekannt, dient er nicht selten als Vorbild. Alle sind voll des Lobes. Er ist das gute Beispiel, ein Vorzeigepapa, der sich für seine Familie, Freunde und Kollegen aufopfert. Bittet man ihn um einen Gefallen, kann man so gut wie sicher sein, dass er ihn erfüllen wird. Braucht man Hilfe, steht er einem zur Seite. Doch eines Tages und für jeden völlig unerwartet, fällt er aus der Rolle. Er wird für einen kurzen Moment zu jemandem, den bisher niemand kannte: zu einem Gewalttäter, der seiner Frau ein Brotmesser in den Leib rammt und auch den Sohn in mörderischer Absicht verfolgt. So unerwartet, wie er hereingebrochen ist, vergeht der Spuk. Nun sinkt Herr B. gleichsam in sich zusammen und lässt sich als Häufchen Elend von der Polizei widerstandslos in Gewahrsam nehmen. Als einen »gebrochenen Mann« wird ihn eine Journalistin beschreiben, die sich vergeblich bemüht, »das Unerklärliche« in Worte zu fassen. Eine Minute der Schattenherrschaft hat Jahrzehnte bürgerlich geordneten Lebens ausgelöscht. Aus dem guten Vater ist von einem Moment zum anderen für alle der böse Schattenmann geworden. Aus gutem Grund vergisst unsere Welt solche Schattenmänner rasch, verbannt sie so schnell es geht aus dem normalen Alltag und sperrt sie in Gefängnisse oder geschlossene Anstalten.
Für solche krassen Schattendurchbrüche wird heute meist das Wort Amok benutzt, das malaiischen Unsprungs ist und wörtlich übersetzt »in blinder Wut töten« bedeutet. Interessanterweise hat man in Asien, zum Beispiel in Bali, früher Amokläufe nicht einmal bestraft. Man ging davon aus, dass der Betreffende »außer sich« und folglich auch nicht verantwortlich sei. In gewisser Weise ist dies sogar eine moderne Sichtweise, wie die Betrachtung der Spaltpersönlichkeiten noch zeigen wird (ab Seite 191). Wenn der Schatten sehr lange sehr konsequent unterdrückt wird, kann er völlig wesensfremd, wie gar nicht zu dem betreffenden Menschen gehörig, wirken.
Folgende »Krankengeschichte« gibt ein weiteres Beispiel für das Hereinbrechen des Schattens: Ein junger Patient, Vater zweier kleiner Kinder, bekommt die Diagnose Hodenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Die Ärzte prognostizieren, dass ihm höchstens noch ein Jahr bleibe. Verzweifelt sucht der Mann nach Auswegen: Wenn er jetzt wie verrückt arbeiten würde, wie viel könnte er von dem Kredit für die gerade bezogene Doppelhaushälfte noch abzahlen? Wie könnte er seine Familie zusätzlich absichern? Er findet keine Lösung. Mein in einem langen Gespräch unterbreitetes Angebot, den Kampf um sein eigenes Leben aufzunehmen, hat es schwer gegen den von den Autoritäten der Schulmedizin verbreiteten Pessimismus. Die »Lösung«, die der Patient dann findet, kommt auch für mich völlig unerwartet: Da er die Familie nicht mehr versorgen und sich selbst nicht mehr retten könne, werde er sich nun den alten Traum einer Weltreise noch erfüllen, den er geopfert habe, als seine Frau mit dem ersten Kind schwanger geworden sei. Einen kleinen Teil des noch vorhandenen Geldes verwende er für sich, den Großteil lasse er seiner Familie. An seinem Ende, wenn die von den Schulmedizinern angekündigte Schwäche über ihn komme, werde er sich einen Platz zum Sterben suchen. Statt Psychotherapie, das heißt innere Seelenreise, will er nun von mir Tipps für die äußere Reise. Er lässt Betroffenheit und Entsetzen in seiner Umgebung zurück. Sie habe ihren Mann offenbar nie wirklich gekannt, meint die erschütterte Frau, die ihn zu mir geschickt hatte. Er sei bisher nie rücksichtslos und egoistisch gewesen. Aber sie erinnert sich, wie gern er einst mit ihr auf Weltreise gehen wollte und wie sie es wegen der Schwangerschaft aufgegeben hatten. Stattdessen hatten sie geheiratet und gleich noch ein Kind bekommen, und er hatte sofort zu arbeiten begonnen, statt zu studieren. Im Gespräch wird deutlich, wie willkommen ihr die Schwangerschaft gewesen war und wie ungelegen ihm. Ihr hatte sie erspart, ihre Ängste vor der Welt zu überwinden und die Unsicherheit der Lebenssituation weiter zu ertragen. Dass er sie, ihrem größten
Wunsch entsprechend, heiraten würde, hatte sie gewusst oder jedenfalls gehofft. Ihm aber hatte das erste Kind wohl die Freiheit und den Traum von der großen weiten Welt und einem Studium weit weg von zu Hause genommen.
Beide Geschichten haben etwas gemeinsam. Im Amoklauf wie in der Krebserkrankung bricht Schatten in das Leben ein und verändert es radikal. Im Gegensatz zur ersten Geschichte, die ebenso hoffnungs- wie erklärungslos im Gefängnis endet, findet die zweite jedoch einen unerwarteten Ausgang. Nach einem halben Jahr wird der junge Mann nicht schwächer, wie von den Ärzten vorausgesagt, sondern er kann gut weiterreisen. Nach einem Jahr ist er längst an jenem zum Sterben ausgewählten Platz in Indien, aber während ihm das Geld ausgeht, bleibt seine Lebenskraft erhalten. Er schlägt sich durch und kommt nach fast zwei Jahren ohne Anzeichen von Krebs zurück. Später nimmt ihn seine Frau sogar wieder auf.
Heute würde ich sagen, dass der junge Mann ein gutes Stück Schattenarbeit in Eigenregie geleistet und einen Teil von sich gelebt hat, der zuvor unterdrückt gewesen war. Sein Krebs war ein Ausbruch dunklen Schattens, sein Aufbruch ein Durchbruch lichten Schattens. Beides aber war Schatten, weil unbewusst. Kaum gab der Patient dem Schatten freiwillig Energie, konnte der Schatten dem Leben so viel Kraft und Dynamik schenken und sogar - nebenbei und ohne Therapie - den Krebs besiegen. Dies hatte der junge Mann keineswegs erwartet. Er war nicht mehr derselbe, als der er abgereist war. Seine Frau hatte recht: Den Teil, der ihn alles abbrechen und kurzentschlossen aufbrechen ließ, hatte sie nie gekannt. Wahrscheinlich hatte er selbst ihn bis dahin kaum gekannt. Die Aussichtslosigkeit der Krebsdiagnose gab ihm die Kraft, sich zu diesem in den Schatten verbannten Traum neuerlich zu bekennen. Bei der Rückkehr war dieser Teil zum Leben gekommen und integriert worden, und er
machte sein Leben reicher und runder für ihn und seine Familie. In dieser neuen Kraft fing er auch (s)ein Studium an.
Schattentagebuch: Neige ich dazu, im Urlaub immer an dieselben Orte zu reisen, oder zieht es mich in unbekanntes Neuland? Was könnte ich mir für meine Ferien vornehmen? Gibt es in meinem Leben Umzüge, oder neige ich dazu zu bleiben, wo ich immer war?
Bitte notieren Sie dazu Ihre Gedanken.
Beide Beispiele zeigen, dass der Schatten unsichtbar und aus dem Unbewussten wirkt. Doch kann er dabei zum Wegweiser werden für das, was uns zur Ganzheit fehlt. Das macht ihn wertvoll und zu unserem größten Schatz. Zwar kennen wir unseren Schatten per Definition nicht, aber dennoch ist die Schattenreise - wie die zweite Geschichte andeutet - verlockend und voller wunderbarer Möglichkeiten. Wenn wir uns in ein neues, unbekanntes Land trauen, wird es uns viel mehr inspirieren und mehr bringen als die immer gleiche Reise an denselben Ort.


Von Teufeln, Dämonen und inneren Schweinehunden
Der Schatten hat von den Menschen im Laufe der Geschichte viele Namen bekommen, tiefgründige und oberflächliche. Davon unabhängig hat er seine zentrale und beherrschende Rolle im Leben immer bewahrt, selbst dann, als man wenig von ihm wissen wollte wie in unserer modernen Zeit. Im Mittelalter nannte man ihn den inneren Dämon und ging davon aus, mit dem Teufel zu ringen, wenn man sich ihm widmete. Wer sagte, der Teufel habe ihn geritten, glaubte, unter Schatteneinfluss geraten zu sein.


Die Begegnung mit den eigenen Dämonen ist Kirchenleuten vertraut, denn sie mussten so viel Wesentliches, so viele natürliche Triebe unterdrücken. Die Triebe aber trieben sie, und das Unterdrückte drückte auf ihr Gemüt. Je mehr sie diese Dämonen von sich getrennt sahen, desto leichter konnten sie sich der Verantwortung für ihre dunkle Seite entziehen. Also schoben sie die Triebe lieber dem Teufel in die Schuhe, als selbst Verantwortung dafür zu übernehmen.
Die Verteufelung von anderen, das Abschieben aller möglichen Schuld oder Verantwortung auf andere nennen Psychologen Projektion (lat. proicere = hinauswerfen, nach vorn werfen, hinwerfen). Sie führt aber zu keiner Lösung, sondern macht das abgewehrte, weggeschobene Thema im Gegenteil immer stärker und schließlich lebensbestimmend. So bekommt der Teufel als klassische Schattengestalt immer dann eine beherrschende Rolle in einem individuellen Leben oder in einer Epoche, wenn ihm besonders viel Lebenswichtiges zugeschoben und dem Leben entzogen wird. Projektion ist also der direkte Weg zur Schattenbildung.
Wie sehr selbst in den Schatten gedrängte Liebe zum Problem wird, zeigt das Christentum, die Religion der Liebe. Dessen Priester, denen irdisch körperliche Aspekte der Liebe verboten und nur die himmlischen erlaubt sind, stürzten diesbezüglich zu allen Zeiten in die Niederungen des Schattens. In der Inquisition erlebte die Liebe ihre pervertierteste Form in Gestalt eines klerikalen Sadismus, der im Kampf gegen die Attraktion des Weiblichen, die Heilkräfte der weisen Frauen und die alte Religion der Fruchtbarkeit, den Foltertod von ein bis neun Millionen Menschen, vor allem Frauen, heraufbeschworen hat. Das Hauptverbrechen dieser »Hexen« bestand darin, attraktiv zu sein und heilen sowie die Fruchtbarkeit regeln zu können. Doch in Wahrheit geschah nichts anderes, als dass der männliche Pol in Gestalt des männlichen Klerus den eigenen weiblichen Schatten in Gestalt der angeklagten Frauen niedermachte - statt im Sinne C. G. Jungs die Anima zu integrieren und weiter und offener zu werden für die eigene weibliche Seite des Mitgefühls und der Sinnlichkeit, der Fruchtbarkeit und des Heil(en)s. Die perverse Logik der Projektion wurde wohl nirgendwo so erschreckend deutlich.
Der Klerus konnte sich nicht vorstellen, dass allein der Anblick einer Frau genügte, um einen gottgefälligen Priester anzumachen; sie musste mit dem Teufel im Bunde sein. Wenn man sie also in ebenso geilen wie sadistischen Folterorgien zu Tode quälte, rettete man auch ihre Seele vor dem Teufel. Außerdem war das Zölibat natürlich leichter zu ertragen, wenn man alle attraktiven Frauen der Umgebung umbringen ließ, dabei noch neunzig Prozent von deren Besitz einsteckte und die Denunzianten mit den restlichen zehn Prozent sowohl köderte als auch abspeiste. Dagegen erscheint die aktuelle Missbrauchsorgie geradezu harmlos, aber auch sie ist Ausdruck des verdrängten Schattens einer menschlichen Liebe, die im Zölibat kaum eine Chance erhält. Zur höchsten Form in Gestalt der göttlichen Liebe reicht es bei vielen menschlichen Priestern offenbar nicht, und so fallen sie immer wieder zurück auf körperliche, sexuelle Ebenen und dort auf die unerlöstesten und perversesten Varianten. Jedoch ist Liebe tatsächlich gefordert und besonders von Priestern, den Vertretern des Gottes der Liebe auf Erden, aber sie hätte nicht so körperlich handgreiflich sein sollen wie in den abscheulichen Inquisitionsverfahren und nicht so unappetitlich wie bei modernen Missbrauchsfällen. Andererseits würde man es sich zu leicht machen, auf die Kirche und ihre Priester zu projizieren. Wo viel Licht ist, ist eben auch viel Schatten. Das zeigt die Geschichte des Christentums von ihrem Anfang an. Anders gesagt, wo viel Schatten ist, muss auch viel Licht sein, etwa in Gestalt all der Priester, die sich gar nichts zuschulden kommen ließen und heute gleich mit beschimpft und verunglimpft werden.
Wie schwer ehrliche Schattentherapie der Kirche heute fällt, kann uns zeigen, wie schwer sie allgemein ist. Wie erlösend aber wäre sie auch, wenn nach einem radikalen Reinemachen die Energie der Klärung und Erneuerung Raum bekäme und frischen Wind und neue Kraft in alte Mauern und Hirne tragen würde. Wie viel Energie könnte eine ehrliche Bitte um Verzeihung und der erklärte Wille zur Wiedergutmachung, von höchster Stelle geäußert, freisetzen! Tatsächlich wäre die Kirche, die immerhin der letzte Hort der Werte unserer Kultur ist, zur Schattentherapie aufgerufen und zu der damit einhergehenden Läuterung von Grund auf. Es wäre die Chance, ein in jeder Hinsicht unhaltbares Gelübde wie das Zölibat, das - bei besten Absichten - so viel Schatten beziehungsweise Unheil heraufbeschworen hat, zu reformieren, zumal es mit Christus und seiner wundervollen Lehre der Liebe nur insofern zu tun hat, als es deren dunkelsten Schatten heraufbeschworen hat.
Christus wusste im Übrigen, was er tat, als er seine Kirche auf Petrus baute, der ihn schon in der ersten Nacht dreimal verraten würde, um die eigene Haut zu retten.2 Was der Meister in Kauf nahm, darf uns heutige Christen beunruhigen, aber das Wissen um das ganze Muster und den großen Plan könnte auch wieder Ruhe einkehren lassen, nach gründlicher Läuterung und Schattenkonfrontation. Ohne es so konkret formulieren zu können, spüren und fordern diese Notwendigkeit heute viele Millionen katholischer Christen. Verglichen mit diesem Thema, das so viel Resonanz in vielen von uns auslöst, sind andere Themen leichter zu nehmen. Aber wo immer der Schatten ins Spiel kommt, wird es schnell hart und unangenehm, besonders dort, wo es für einen persönlich wichtig ist.
Selbst als Dämon hatte der Schatten aber auch bessere Zeiten. In der griechischen Antike stand Daimonion für das Göttliche, und Sokrates bezeichnete so den höchsten göttlichen Teil der Seele, vergleichbar mit heutigen Ausdrücken wie Gewissen und innerer Stimme, denen wir gehorchen sollten.
In der antiken Sage müssen die Helden des Mythos in die Unterwelt hinabsteigen wie etwa Herakles, der auf dem Weg noch mit dem Höllenhund Cerberus ringt. Letzterer ist heute als innerer Schweinehund besser bekannt und ein guter Vertrauter aller Abhängigen und Süchtigen. Wer genau hinschaut, findet ihn auch in sich. Er lässt uns einerseits Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen. Andererseits hindert er uns, zu tun, was wir wollen und sollen und etwa als gesund erachten. Diesen inneren Schweinehund betrachten wir am liebsten als einen Fremden, mit dem uns nichts verbindet. Auf ihn schieben wir unser Versagen. Zum Beispiel bekommt er Schuld, wenn wir es nicht schaffen, joggen zu gehen, und auch dies ist Projektion: das Abschieben von Verantwortung. In Wahrheit ist natürlich der innere Schweinehund - nomen est omen - ein Teil von uns, ein typischer Schattenaspekt. Wir haben nur wenig Kontakt zu diesem »anderen Willen« und fühlen uns bis zu einem gewissen Grad fremdbestimmt, wie es für Suchtverhalten typisch ist. Wann immer wir jemand anders Schuld geben, ist Projektion und damit wieder das Schattenthema im Spiel.
Der Kampf menschlicher Helden mit diesem tierischen oder dunklen Gegenpol ist eine klassische Auseinandersetzung mit dem Schatten, die die Mythen der Völker durchzieht. Siegfried hat sie mit dem Drachen Fafner stellvertretend für viele junge Helden ausgefochten. Die Heldensagen und Mythen erzählen uns, wie mutige Recken das Land und sich selbst von bösen Scheusalen befreien, unter denen alles Leben zu ersticken droht. Sie wachsen über sich selbst hinaus und besiegen mit dem Drachen den eigenen Schatten. Danach können sie selbst und kann auch ihr Land wieder aufleben. Die Helden stehen hier stellvertretend für uns alle, die wir bei diesem Kampf mit dem Schattendrachen so viel zu gewinnen haben. Wir müssen ihn finden, ihn stellen und vor allem uns ihm stellen. Damit ist er schon so gut wie besiegt. In der chinesischen Symbolik ist der Drache von Anfang an ein Glückssymbol. In unserer Kultur müssen wir ihn erst dazu machen. Dies ist möglich, wenn wir ihn besiegen, indem wir uns mit dem eigenen Dunkel, der Schattenwelt, konfrontieren und sie so zu einem bewussten Teil von uns wird. Siegfried badet zum Zeichen dafür im Drachenblut, das ihn überall, wo es seine Haut benetzt, immun gegen die dunklen Kräfte des Verderbens macht.
Bereits in der ältesten Menschheitssage erkennen wir dieses Motiv wieder: Der babylonische Held Gilgamesch gewinnt durch den Kampf mit seinem dunklen Bruder Enkidu in diesem später seinen stärksten Verbündeten - ein weiterer Hinweis darauf, welche großen Geschenke im Schattenreich auf uns warten.
Wie viel Ehrlichkeit und Echtheit für diesen Kampf mit dem Schatten notwendig sind, mag ein anderer Mythos aus dem Zweistromland verraten. In diesem muss die Himmelsgöttin Innana den Abstieg zu ihrer dunklen Gegenspielerin, der Göttin der Unterwelt, nackt und ohne ihre Würdenzeichen antreten. Das heißt, sie hat bei der Konfrontation mit der eigenen dunklen Seite jede ihrer Masken abzulegen.
Dr. med. Ruediger Dahlke, Jahrgang 1951, Medizinstudium in München, Weiterbildung in Naturheilweisen und Psychotherapie. 27 Jahre als Psychotherapeut in München und Johanneskirchen tätig. 2009 feierte das von ihm mitbegründete Heil-Kunde-Zentrum Johanniskirchen 20-jähriges Jubiläum. Heute ist er als Fastenarzt, Seminarleiter und Vortragender international tätig. 2012 nimmt das von ihm mitgegründete Seminarzentrum TamanGa in Gamlitz in der Südsteiermark seine Arbeit auf. Seine Bücher zur Psychosomatik unter Einbezug spiritueller Themen wie "Krankheit als Symbol", "Depression - Wege aus der dunklen Nacht der Seele" oder "Krankheit als Sprache der Seele" sind Bestseller und liegen in 25 Sprachen vor. Die Trilogie der Bücher "Die Schicksalsgesetze - Spielregeln fürs Leben", "Das Schattenprinzip" und "Lebensprinzipien" stellen zusammen mit den zugehörigen CDs die Grundlage des ganzheitlich-spirituellen Weltbildes dar.


Weitere Informationen unter www.dahlke.at.
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„Licht und Schatten; spannend und interessant”

11.11.2012

von einer Kundin oder einem Kunden

Die Schattenseiten im Leben zu erkennen, und herauszufinden, warum sie einem immer wieder begegnen, ist eine Lebensaufgabe. Sind wirklich immer nur die äusseren Umstände Schuld an unserem Schicksal? Was ist der Unterschied von "den schönen Schein bewahren", oder die Tatsachen zu akzeptieren wie sie sind und daraus zu lernen, um vielleicht einen neuen Weg einzuschlagen und Konsequenzen zu ziehen? Wer aber im Leben weiterkommen will, muss die Schatten erkennen um sein Leben etwas von der gelasseneren Seite zu betrachten und zu leben, auch wenn es manchmal unmöglich scheint. Rüdiger Dahlke zeigt in diesem Buch sehr genau die menschlichen Abgründe in die man eigentlich nicht gerne schaut. Das Buch zeigt auch sehr gut, wenn man sich auf dieses einlässt, dass dabei nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen rauskommt, sondern, man einiges loslassen oder verabschieden muss. Also richtige Lebensarbeit, denn der Schatten läuft immer mit!

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„Schattenboxen”

03.08.2011

Rezension von Dr. Exitus Top-100 Rezensent

Ein bemerkenswertes Buch!Der bekannte Autor widmet sich in diesem Buch dem Kernthema seiner Arbeit:dem Schatten.Der Schatten eines Menschen beinhaltet alle abgelehnten und verdrängten Anteile der Persönlichkeit.Durch Verdrängen verschwindet aber nichts und der Schatten sucht sich über verschiedene Ventile Wege zurück ins Leben des Betroffenen.(z.B. Krankheit).Wer sich weiterentwickeln will der kommt nicht daran vorbei sich mit dem eigenen Schatten zu befassen und daran zu arbeiten.Dieses Buch bietet die Möglichkeit dazu die fehlenden Persönlichkeitsanteile zu integrieren.Die Meditationen auf der beiliegenden CD unterstützen sehr gut die Schattenarbeit.Ich kenne fast alle Bücher von Dr. Dahlke und ich finde dieses ist wirklich sein Bestes!Wer das Thema Schatten verstehen will und mit diesem Wissen dann an sich arbeiten will,der kann auf dieses Buch nicht verzichten!Einzig und allein die vielen Querverweise auf die zahlreichen anderen Bücher des Autors haben mich gestört.Beinahe jede Seite enthält so einen Hinweis.Die Liste am Ende des Buches reicht aus.FAZIT:Absolut geniales Buch zum Kernthema der Arbeit von Dr. Dahlke.Unverzichtbar!ABSOLUT LESENSWERT!

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