Zu Valentin portofrei vom 01.02.2012-09.02.2012
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Roman von Orhan Pamuk (buch)
Rezension von Alfred Honegger aus Lamboing
Der 22jährige Architektur-Student Osman aus Istanbul liest eines Tages ein Buch, das ihn nicht mehr loslässt. Gesehen hat er es erstmals in der Hand einer Kommilitonin, für die er sich interessiert. Es geht also zunächst gar nicht um das Buch, sondern darum, die Aufmerksamkeit der jungen Frau zu erwerben. Diese wiederum ist mit einem anderen Studenten liiert, und beide gemeinsam haben Osman ohne dessen Wissen bewusst als Leser für dieses Buch auserkoren, um zu ergründen, welche Wirkung es auf ihn haben wird. Kurze Zeit später verschwinden beide, knapp nacheinander spurlos, und Osman macht sich auf die Suche nach ihnen, indem er die Türkei kreuz und quer und bis in den hintersten Winkel Ostanatoliens mit Bussen durchquert. Bei einem Busunfall findet er Canan, die Studienkollegin; gemeinsam setzen sie die Suche nach Mehmet, ihrem Freund, fort.
Dieses Buch ist Roadnovel, Abenteuerroman, Liebes- und Detektivgeschichte in einem. Orient und Okzident begegnen sich. Gleichzeitig ist es von einer starken Todessehnsucht geprägt. Hier nimmt Orhan Pamuk Anleihen bei der Romantik, indem er das Symbol «der Blauen Blume aus Novalis von Heinrich von Ofterdingen» einfliessen lässt. Diese Blaue Blume ist äusserst selten, wer sich auf die Suche nach ihr begibt, macht diese Suche zu seiner Lebensaufgabe. Eine wichtige Rolle spielen Engel in diesem Buch, die in Lehne an «Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien [Duino ist der Name eines Schlosses bei Triest]» sehr vielfältig vorkommen: als Gestalt an sich, als Gestalt auf den Deckeln von Cremedosen, als Gesprächspartner des inneren Zwiegesprächs, als geheimnisvolle, mit der Liebe verbundene Gestalt, als Antlitz auf persischen Miniaturen, auf dem Einwickelpapier von Karamellbonbons (Kara-Melas) aus Osmans Kindheit. Häufig spricht der Icherzähler Osman den Leser direkt an und impliziert ihn auf diese Weise in sein Leben und in seine Suche. Erst ganz am Ende findet Osman, was er so lange Jahre gesucht hat, und erkennt, dass er es seit langer Zeit hatte, ohne sich dessen bewusst zu sein oder gar Dankbarkeit zu empfinden.
Über den Inhalt jenes geheimnisvollen Buches erfahren wir nichts anschauliches, nur soviel, dass der Autor, der Abenteuerbücher für Kinder schrieb, einmal ein Buch für erwachsene Leser verfassen wollte, und danach nichts mehr geschrieben hat.
An dieser Stelle verrate ich, dass sich für mich bei der Lektüre im ersten Drittel sehr viel mehr Rätsel als Antworten ergaben und ich an einen Punkt gelangte, wo ich prüfte, nicht weiter zu lesen, da die ewige Busfahrerei, ohne irgendwo anzukommen, begann, mir auf die Nerven zu gehen. Doch dann kam Dr. Narin in Erscheinung, und mit seinem Auftritt wurde das Geschehen richtig spannend, sodass es einfach nur ärgerlich gewesen wäre, nicht weiter zu lesen. Dem ungeachtet, dazumal wusste ich dies noch nicht.
Am Schluss fliessen viele Elemente ineinander und die meisten der anfänglich aufgeworfenen Fragen finden ihre Lösung. So ergibt sich ein schlüssiges Bild. Das neue Leben ist ein Buch, das es verdient, zweimal gelesen zu werden.
Fragwürdig ist der Kolumnist Cemal Salik, der auch in anderen Werken von Orhan Pamuk vorkommt, und jedes Mal verschieden interpretiert wird.
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