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Erzählungen von Javier Marias (buch)
Rezension von Mandurah aus Wunstorf
halb ward er gezwungen und so wirken die in diesem Band versammelten 12 Erzählungen auch auf mich.
Wie Javier Marías in den Vorbemerkungen schreibt, handelt es sich bei den zwischen 1991 und 1995 entstandenen Texten in elf Fällen um Auftragsarbeiten, denen er damals so gut es geht gerecht zu werden versuchte. Ein noch unglücklicheres Vorwort kann man kaum schreiben, liest sich dies doch wie eine Vorab-Entschuldigung, sollte dem Leser die eine oder andere Arbeit nicht gefallen. Über Literatur lässt sich stets trefflich streiten und mich befremdet das Vorwort, schließlich ist Marías ein erfahrener Schriftsteller - eine solche Aussage wirkt auf mich jedoch was seine persönliche Reife angeht als Disqualifizierung, als könne er keine Kritik vertragen und wolle diese vorab mit dem Hinweis auf die äußeren Umstände im Keim ersticken.
Ein Teil der Erzählungen wirkt auf mich ebenso verstörend wie das missglückte Vorwort. Javier Marías schreibt in erster Linie über Liebe, gescheiterte Beziehungen, Betrug, Verrat, Ehebruch, Erpressung, psychische Störungen und Mord. Inhaltlich gesehen gefällt mir dabei nur ein Teil der Erzählungen, hauptsächlich die, bei denen sich das Gros der Handlung nicht im diffusen Nebel der Andeutungen des Autors versteckt. Erzählungen, bei denen zuviel in der Schwebe bleibt, mag ich ebenso wenig wie Filme mit offenem Ende aber nun gut, das ist nur mein persönlicher Geschmack.
Der Autor bedient sich häufig recht verschachtelter Sätze, die aber im Gegensatz zu z.B. Stefan Zweig oftmals künstlich aufgebläht wirken und die Lesbarkeit weniger zum Genuss als vielmehr zu einem mühsamen Unterfangen machen und den Lesefluss an manchen Stellen stört. Allerdings vermag ich nicht zu sagen, ob das auf eine mangelhafte Übersetzung zurückzuführen ist oder ob sich das Ganze im Spanischen ebenso zäh lesen lässt.
Wurde ich beim Lesen der Rückseite des Buches (subtil inszenierte Erzählungen über die Untiefen und Abgründe menschlicher Existenz, geschrieben mit bestürzender Genauigkeit und hintergründigem Humor) stark an T.C. Boyle erinnert, vermisse ich seinen unnachahmlich eleganten Stil hier.
Unterm Strich wirken Marías Erzählungen auf mich überwiegend zu gezwungen, als dass ich sie genießen könnte.
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