Zu Valentin portofrei vom 01.02.2012-09.02.2012
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von Judith Hermann (buch)
von einer Kundin oder einem Kunden
Judith Hermanns direkte und schnörkellose Sprache lässt kaum Raum für Sentimentalität und so gelingt es ihr, sich mit dem schwierigen Thema Tod verblüffend pragmatisch auseinanderzusetzen. In fünf verschiedenen Erzählungen sehen wir die Protagonistin Alice mit dem Tod eines ihr nahestehenden Menschen konfrontiert. Dabei geht es um alltägliche Geschichten, die jeden Tag genau so passieren könnten, und die den Tod als Teil des Lebens und der Normalität begreifen. Ein Buch, das unter die Haut geht und nachwirkt.
von einer Kundin oder einem Kunden
Eine leise erzählte Geschichte, vom Füreinanderdasein und schließlich vom Sterben, wie sie unspektakulärer wohl kaum erzählt werden könnte. Als beiläufiges Geschehen, das in den Alltag gebettet, hin und wieder vorkommt.
Gefühle für das Bevorstehende bis sie zur Gewissheit werden.
Richtig gut zum selbst lesen oder verschenken in traurigen Zeiten.
von einer Kundin oder einem Kunden
Nachdem "Sommerhaus, später" zu meinen Lieblingsbüchern gehört, musste ich natürlich auch "Alice" lesen. Obwohl das Thema Tod natürlich erstmal abschreckt. Doch Judth Hermann findet so unterschiedliche Wege das traurige Thema aufzugreifen und damit umzugehen, dass ich es als Bereicherung und auch Hilfe empfinde.Viel geweint habe ich trotzdem.
Rezension von Gabi Kampitsch aus Villach
Alice, erzählt fünf Geschichten vom Sterben und vom Tod.
Es ist bewundernswert wie sachlich, sowohl warmherzig und menschlich die Autorin mit diesem traurigen Thema umgeht.
Rezension von hasewue
In Judith Hermanns drittem Buch Alice, einem Erzählungsband, muss die gleichnamige Hauptprotagonistin in kürzester Zeit den Tod von insgesamt fünf ihr wichtiger Männer verkraften.
In jeder der fünf Geschichten muss sie mit dem Verlust umgehen, der der manchmal unerwartete manchmal herbeigesehnte Tod mit sich bringt.
Zunächst denkt man, dass die ersten vier Erzählungen nicht zusammenhängend sind. Doch durch die letzte Geschichte fließen alle fünf ineinander und man erkennt deutlich den chronologischen Zusammenhang.
Alice ist eine eher blasse und unnahbare Gestalt, wirkt aber trotzdem menschlich.
Nach den ersten Seiten wird man sofort von Judith Hermanns unbeschreiblich authentischen Schreibstil gefangen genommen und will gar nicht mehr aufhören zu lesen. Hermann schreibt unglaublich detailverliebt und ausgeschmückt, sodass das Lesen von Alltäglichem schon ein Vergnügen ist.
Judith Hermanns Erzählungsband Alice hat solch eine Tiefe und Intensität, dass man ganz in dieser Welt gefangen ist und es einem nach dem Lesen vorkommt, als wenn man lange Zeit unter Wasser gewesen ist. So muss man nämlich nach Beendigung dieser intensiven und atemberaubenden Lektüre erst einmal kräftig Luft holen und alles sacken lassen.
Schon lange habe ich kein so sowohl prägendes und liebevolles als auch distanziertes Buch mehr gelesen!
von einer Kundin oder einem Kunden
Judith Hermann schafft es mit ihren Erzählungen Stimmungen zu zaubern, wie kein(e) andere(r) deutsche(r) AutorIn.
Alice ist eine junge Frau, die hier bei jeder Erzählung eine tragende Rolle spielt und alle Erzählungen handeln ums Sterben und ums Abschiednehmen und um Trauer.
In allen 5 Erzählungen kommt Alice hinzu als Begleitung Hilfe und Unterstützung von Sterbende, wobei das sehr natürlich und selbstverständlich zu sein scheint. Alle Sterbende stehen in einem gewissen Verhältnis zu Alice und auch die unmittelbar Hinterbliebenen und man spürt die Kraft die hier frei wird , wenn ein Mensch geht, der Tod ist der natürliche Abschluß des Lebens und ohnen pathetisch zu werden schafft Judith Hermann hier Stimmungen, die lange anhalten und man denkt nach.
von einer Kundin oder einem Kunden
Der neu erschienene Erzählband von Judith Hermann handelt doppelt vom Sterben. Vom- in diesem Band vorrangig männlichen- Tod, wie er in das Leben der Hauptfigur Alice eintritt und immer näher zu ihr rückt; und von dem damit verbundenem Sterben der Erinnerung an den Verstorbenen.
Hermann negiert in ihren Erzählungen die Annahme, es gäbe nach dem Tod ein Weiterleben in der Erinnerung Angehöriger. Da sich schon im Prozess des Sterbens die Erinnerung an diesen Menschen, wie er wirklich war, verliert, entziehen sich auch die Grundlagen für jegliche Erzählung, die den Hinterbliebenen Trost spenden könnte. Alice versucht beispielsweise ihrem Onkel Malte, der, als sie gerade geboren wurde, sich umbrachte, über Erzählungen näher zu kommen- ihn vor ihrem inneren Auge lebendig zu machen- jedoch entlarvt sich dieses Unternehmen als unmöglich, da die Mythen, die sie um ihn ranken lässt, nur auf sie selbst verweisen:
Sie sagte, weisst du, ich habe auf einmal gedacht, er sei vielleicht gar nicht gestorben.Er hätte die ganze Zeit über da in der Eisenbahnstrasse gewohnt, all die Jahre lang. Es war, als sei ich einer Sache endlich auf die Spur gekommen. Verstehst Du das?
Na, ich kann es mir zumindest vorstellen, sagte Friedrich.
Vor der Tür lag eine Patrone, sagte Alice. Neun Millimeter Parabellum.
Für dich, sagte Friedrich. Er sagte, einfach so.
Ja, für mich, sagte Alice. Warum auch immer.
Wirst du sehen, sagte Friedrich. Das wirst Du sehen.
Nach dem Tod bleibt nichts als Leere. Der Tod ist banal und genau dieser Umstand macht es so schwierig ihn greifbar werden zu lassen. Unvorbereitet gerät Alice mitten im Alltag in Situationen, in denen einer unvorhergesehen stirbt und hat weder Worte, noch Erinnerungen. Auch der Leser bleibt allein gelassen mit der von der Autorin messerscharf umrissenen Leere, dem Loch, dass der Tote hinterlässt. Er wird darüber nicht hinweggetröstet.
Diesen Moment der Sinnlosigkeit ungeschminkt bestehen zu lassen; ihn sichtbar zu machen, ist eine Kunst. Und somit ist hier doch nicht von einem Ende des Erzählens die Rede, sondern vielmehr von der Sterblichkeit alles Seins, die es anzuerkennen gilt. Ein mutiges Buch über die Unfassbarkeit des Todes. Keine leichte Lektüre, da hier keine Geschichten die Toten lebendig machen können, aber sehr nahe dran an der psychischen Wahrheit im Erleben eines unwiderruflichen Verlustes.
1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Rezension von Binea aus Dresden
Micha, Conrad, Richard, Malte, Raymond und dazwischen steht Alice.
Alice aus Berlin stürzt von einer Trauerfeier zur nächsten. Erst verlässt sie ihre ehemalige Liebe Micha aus Zweibrücken, dann andere Männer, die ihr ans Herz gewachsen sind. Trauer, Verlustangst und auch das Warten auf die Erlösung, Warten auf den langersehnten Tod spielen eine Rolle in diesem Erzählband.
Alice zeigt uns als tapfere Protagonistin, wie man mit dem Tod versucht umzugehen, ohne selber mitgerissen zu werden, den Tod an Erinnerungen zu knüpfen und damit wieder neu zu beginnen.
Mit mulmigem Gefühl habe ich die erste Geschichte gelesen, ständig die Angst vor Enttäuschung im Kopf. Nichts als Gespenster, mein erstes Buch von ihr, hat mich nicht begeistern können. Aice war der zweite Versuch, nicht perfekt, aber auf jeden Fall einer in die richtige Richtung.
Eine Sommerlektüre ist dieses blaue Emotionsbündel wahrlich nicht, denn der Tod lässt diese Jahreszeit genauso außer Acht. Einmal in Alice hineinversetzt, umhüllt von einem schwarzen Schleier, durchläuft man sehr langsam fünf verschiedene und doch so ähnliche Wege.
Das Besondere an Frau Hermanns Romanen: Sie schreibt genau das auf, was sie sieht und fühlt. Sie schreibt kurz und prägnant, beiläufig, aber auch umständlich und nachdenklich.
Bewusst lässt die Autorin Judith Hermann in ihrem Roman die Kennzeichnung der Dialoge weg. Mit diesem Stil schafft sie es, den Leser zu bremsen, behängt ihn mit einem schweren Gewicht und senkt ihn somit tiefer in das Geschehen hinein.
Eine Gefühlssammlung, die an die Substanz geht.
Rezension von Alex
Judith Hermann verzaubert die Leser wieder einmal durch ihre Ernsthaftigkeit, jedoch auch durch ihren lockeren Schreibstil. Sie zeigt uns Alltagssituationen, aus denen sie etwas besonderes macht. Sie schafft Charaktere, die so sind wie wir- die oft so denken, fühlen, handeln.
Sie schreibt so, wie sie immer schreibt- wunderschön. Außerdem setzt sie sich hier, mitsamt ihrer Protagonistin Alice, mit einem Thema auseinander, das jeden einmal beschäftigt: Verlust, Tod, Erinnerung; einfach: Leben. Vielen Dank für dieses Buch, vor allem, weil es auch in meiner Heimatstadt spielt:-). Ich bin zum Judith-Hermann-Fan geworden! Und ich hoffe, dass noch viele Leser ihre literarisch wunderschönen und traumhaften Bücher entdecken. Sie sagen uns alles und nichts. Und so soll es auch sein, nicht wahr?!
0 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Rezension von Susanne Zimmer aus St. Pölten
Judith Hermann versammelt in ihrem Prosaband "Alice" fünf Geschcihten vom Sterben. Der Blick jener Erzählungen ruht aber nicht auf den Sterbenden, sondern vielmehr auf den Lebenden, den Zurückbleibenden.
Das Sterben ist in Hermanns Werk beinahe schon eine Nebensächlichkeit, ebenso die Personen und selbst die Protagonistin. Die Figuren kreisen "zeit- und ortlos" durch den Erzählstrang, sie sind "Astronauten; wir sind wie Astronauten, es gibt nirgends Halt."
"Alice" bietet einen besonderen Leseanreiz und lässt den Leser sein eigenes Bild entwerfen.
Die Geschichten sind von Lebenstraurigkeit durchzogen und zugleich tröstlich.
Denn: "Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus welchem wir nicht vertrieben werden können."
(Jean Paul)
Und genau diese Weisheit wird in Hermanns Werk deutlich.
Rezension von Dr. Christian Rößner aus Göttingen Top-100 Rezensent
Mit dem Erzählband Sommerhaus, später gelang Judith Hermann 1998 der literarische Durchbruch. Sie wurde zur Stimme einer ganzen Generation von Schriftstellerinnen, denen das Prädikat des Fräuleinwunders lange anhaftetet. Die 1970 in Berlin geborene Schriftstellerin legt nun ihr neues Buch vor einen Roman in fünf Erzählungen .
In den atmosphärisch dichten wie stilistisch meisterhaften Geschichten vom Sterben und von der Erfahrung des Verlustes steht Alice im Mittelpunkt der Handlungen und gibt den Geschichten damit eine äußere Klammer. Im Inneren werden die Erzählungen stets vom selben Grundmotiv zusammengehalten: Dem Verlust eines geliebten Menschen als End- aber auch zugleich Ausgangspunkt des menschlichen Daseins.
Die Figuren des Romans ja selbst die Hauptfigur Alice - bleiben bemerkenswert schemenhaft. Es scheint so, als ginge es Judith Hermann vor allem darum, den Gefühlen, die die jeweiligen Figuren umtreiben, nahe zu kommen, diese aber keinesfalls zu fixieren. Mit nur einem geringen Fundus an Bildern, mit aus der Situation gerissenen, geradezu impressionistischen Beobachtungen bespiegelt sie die jeweilige komplexe emotionale Situation des Abschiednehmens.
Ein großer Roman über das bedeutungsvolle Thema Verlust - mit großem emotionalen und gedanklichen Interpretationsspielraum für den Leser!
2 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
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