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Die Mittagsfrau

Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2007 von Julia Franck (buch)

In der Lausitz verlebt Helene eine idyllische Kindheit, die mit Ausbruch des ersten Weltkriegs jäh endet. Der Vater wird nach Osten geschickt und kehrt nur zum Sterben nach Hause zurück, die jüdische Mutter zieht sich zunehmend vor den Anfeindungen ihrer Umgebung in die ... weiterlesen
  • ISBN-10:3-10-022600-3
  • EAN:9783100226006
  • Erscheinungstermin:06.09.2007
  • Verlag:S. Fischer Verlag
  • Einband:gebunden
  • Kundenbewertung:
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  • Sprache:Deutsch
  • Seiten:429
  • Gewicht:546 g

Kurzbeschreibung:

In der Lausitz verlebt Helene eine idyllische Kindheit, die mit Ausbruch des ersten Weltkriegs jäh endet. Der Vater wird nach Osten geschickt und kehrt nur zum Sterben nach Hause zurück, die jüdische Mutter zieht sich zunehmend vor den Anfeindungen ihrer Umgebung in die Verwirrung zurück. Blind am Herzen nennt Helene das und fürchtet die zunehmende Kälte der Mutter, die ihre Töchter kaum mehr wahrzunehmen scheint. Helene möchte Medizin studieren, ein ungewöhnlicher Traum für eine Frau zu Beginn des Jahrhunderts. Nach dem Tod des Vaters zieht sie Anfang der zwanziger Jahre mit ihrer Schwester Martha nach Berlin, und während Martha ihrer Freundin Leontine wieder begegnet, lernt Helene Carl kennen. Als der kurz vor der Verlobung stirbt,verliert sie den Sinn für das Dasein. Sie flieht in die Arbeit und will das Leben überleben. Auf einem Fest stellt sich ein gewisser Wilhelm vor, er ist begeisterter Ingenieur, der Reichsautobahnen bauen und Helene heiraten möchte. Die schnell scheiternde Ehe mit ihm führt Helene nach Stettin, wo ihr Sohn zur Welt kommt. Die Liebe, die der kleine Junge fordert, die Nähe, die er sucht, werden ihr zunehmend unerträglich, und bald schon geht ihr der Gedanke vom Verschwinden nicht mehr aus dem Kopf. Schliesslich trifft sie eine ungeheuerliche Entscheidung.
Zwei Weltkriege, Hoffnungen, Einsamkeit und Liebe und die Erkenntnis, dass alles verloren gehen kann. Julia Franck erzählt ein Leben, das in die Mühlen einer furchtbaren Zeit gerät. Ein ungewöhnlicher Familienroman, ein eindringliches Zeitepos und die Geschichte einer faszinierenden Frau.
Julia Franck:
Als eineiiger Zwilling im Februar 1970 in Berlin Lichtenberg geboren, ist Julia Franck eine von fünf Töchtern. Ihre Mutter, die Schauspielerin Anna Katharina Franck durfte mit einem Ausreiseantrag 1978 mit ihren Töchtern die DDR verlassen. Ihr Vater, der Regisseur Jürgen Sehmisch blieb in Ostberlin. Nachdem die Familie einige Zeit im Notaufnahmelager Berlin Marienfelde zubrachte, zog sie später nach Schleswig Holstein in die Nähe von Rendsburg. Hier in einem kleinen Dorf am Nord-Ostsee Kanal wurde die jüngste der fünf Schwestern geboren. Dort besuchte Julia Franck zusammen mit ihren Geschwistern eine freie Waldorfschule. Ab 1983 wohnte Julia Franck wieder in Berlin. Dieses Mal ging sie alleine den Weg zurück und wohnte bei Freunden und Familie. Nachdem sie 1991 ihr Abitur nachgeholt hatte, begann sie mit dem Studieren. Angefangen mit Jura studierte Julia Franck später an der FU-Berlin Altamerikanistik, Neuere Deutsche Literaturwissenschaften und Philosophie. Finanzieren konnte sie sich nur durch zahlreiche Nebenjobs, sie ging sowohl putzen, kellnern, war Kindermädchen, Hilfsschwester, Phonotypistin, wissenschaftliche Hilfskraft und freie Mitarbeiterin von Radio und Zeitungen. Während ihrer Studienzeit verbrachte Julia Franck einige Zeit in den USA, Mexiko und Guatemala. Noch vor ihrem Debütroman "Der neue Koch"(1997) gewann Julia Franck ihren ersten Preis im Literaturwettbewerb Open Mike in Berlin. Seitdem folgten viele Preise und Ehrungen für die Autorin. Ausgezeichnet mit dem Marie-Luise Kaschnitz Preis im Jahr 2004 und Trägerin vieler Stipendien, mitunter einem Jahr Aufenthalt in Rom, gewann sie 2007 den Deutschen Buchpreis für ihren bisher erfolgreichsten Roman "Die Mittagsfrau". Hiermit schaffte Julia Franck es auch auf die Auswahllisten der englischen Presse für verschiedene Literaturpreise. Ihre Bücher werden in über 35 Sprachen übersetzt, wo auch die Blindenschrift mit zu zählt.
Julia Franck ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die sie in den Jahren 2001 und 2003 zur Welt brachte. Mit ihrer Familie wohnt sie in Berlin-Friedenau.

Meinung der Redaktion
Julia Franck beschreibt derart packend und dicht, dass man das Buch nicht zur Seite legen kann, auch wenn die beklemmende Stimmung immer drückender wird. Ihr Tonfall ist eiskalt und schneidend klar und bietet dem Leser keine geistige Fluchtmöglichkeit.
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10 Rezensionen

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„Bemerkenswert”

20.04.2010

Rezension von Sandra

Einfühlsam erzählt Julia Franck die Geschichte der Helene, die beide Weltkriege miterlebt, den ersten noch als Kind, den zweiten dann als Ehefrau und Mutter.
Ein authentischer Roman in jeder Hinsicht, auch sprachlich bemerkenswert!

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„Ganz gut, aber auch nicht mehr”

30.09.2008

Rezension von BT Hagen

Lebensgeschichte einer Frau, die ihren Träumen folgt und sich nach einer großen Liebe sehnt. Aber die Zeiten sind schwer und dramatisch und Helene muß mit den Schicksalschlägen und Verlusten allein fertig werden. Zum Schluß, wenn alles überstanden scheint, lässt sie ihren kleinen Sohn allein zurück und kehrt nie wieder.
Wunderschöne Geschichte, für mein Geschmack aber, zu sachlich, zu trocken erzählt.

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„Lebensgeschichte einer Mutter”

20.04.2008

Rezension von Tripwolf

Der Roman "Die Mittagsfrau" von Julia Franck ist nach meiner Auffassung nah an einem großen literarischen Werk vorbeigeschrammt. Trotzdem hat sie den Buchpreis 2007 verdient. Der Roman beschreibt eine sensibel und mit viel Gefühl geschriebene Familiengeschichte, die auch mit den Wirren am Ende des 2. Weltkrieges zusammenhängt. Es werden u.a. die Gefühle und Wahrnehmungen eines Achtjährigen erzählt, der seine schöne Mutter liebt.
Aber irgendwann sitzt der kleine Peter auf dem Bahnsteig und wartet vergeblich auf seine geliebte Mutter. In den unsicheren Zeiten nach dem Krieg, wo alle Menschen wieder nach Normalität streben, läßt eine Mutter ihr Kind allein. Julia Franck schreibt aber auch die Lebensgeschichte der Mutter, Helene, und u.a. die Beziehung zu Ihrer älteren Schwester, in der es um Liebe, Macht, Abhängigkeit und Demütigung geht. Ein sehr gefühlvoll geschriebener Roman mit einigen Passagen großer Literatur, die noch auf weitere gut recherschierte Bücher hoffen läßt.

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„sehr ergreifend.”

12.04.2008

von einer Kundin oder einem Kunden aus schwedeneck

ich fand zwar es auch verwirrend,dass sie erst über alice schreibt und dann über helene.aber ansonsten fand ich einfach klasse !es ist eine tolle arbeit die sie geleistet hat !sie hat den buchpreis verdient!

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: die moral der frauen.von fay weldon

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„Ganz gut, aber auch nicht mehr”

22.02.2008

von einer Kundin oder einem Kunden

Am Anfang dieses Buches lässt Alice ihren Sohn alleine am Bahnhof zurück. Man möchte diese Frau verstehen und ihre Geschichte kennenlernen.
Man liest dann die Lebensgeschichte von Helene und ihrer Schwester. Leider erst nahe am Ende stellt sich heraus das Helene Alice ist. Das fand ich schade. Mir hat der Aufbau des Buches leider nicht zugesagt und stellenweise kam es mir "in die Länge gezogen" vor.
Ich kann den Deutschen Buchpreis 2007 für dieses Buch nicht ganz nachvollziehen.

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„Beeindruckend”

24.12.2007

Rezension von Markus S. aus Bonn

Wer deises Buch liest wird verstehen, weshalb Franck für diesen Roman den Dt. Buchpreis erhielt. Sehr anschaulich und einfühlsam erzählt, literarisch kaum zu überbieten.

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„Sehr emotional und persönlich ”

13.11.2007

Rezension von Silke Schröder aus Hannover (silke.schroeder@hallo-buch.de) Top-10 Rezensent

Julia Franck ist ein sehr emotionales Buch über eine bewegte Ära gelungen. Dabei spannt sie die Klammer vom 1. Weltkrieg bis in die 1950er Jahre. Doch wie die Zeit, so ergeht es auch den Schwestern. Angefangen in der familiären Enge des ausgehenden wilhelminischen Zeitalters und dem Tod des Vaters, erfahren Helene und Martha die 1920er Jahre mit all ihrem bourgeoisen Pomp und der Ausgelassenheit des Bürgertums. Mit dem Tod von Carl wird die Zeit der NS-Herrschaft mit ihrem Rassismus und ihrer Ungerechtigkeit eingeläutet, anschaulich dargestellt am weiteren Schicksal Helenes.

Und es ist nur konsequent, dass die Autorin ihre Heldin nach dem 2. Weltkrieg symbolisch einen Strich unter ihr bisheriges Leben ziehen lässt und alles, einschließlich ihres Sohnes, zurücklässt, um in der „Stunde Null“ ganz von vorne anzufangen. Ein wirklich gelungenes Buch, das die Schwingungen der jeweiligen Jahrzehnte sehr emotional und persönlich wiedergibt. Hut ab.

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„Gefühlswelt in einer wirren Zeit nach dem 2. Weltkrieg”

14.10.2007

Rezension von Segler und Bücherfan Top-100 Rezensent

Der Roman "Die Mittagsfrau" von Julia Franck ist nach meiner Auffassung nah an einem großen literarischen Werk vorbeigeschrammt. Trotzdem hat sie den Buchpreis 2007 verdient. Der Roman beschreibt eine sensibel und mit viel Gefühl geschriebene Familiengeschichte, die auch mit den Wirren am Ende des 2. Weltkrieges zusammenhängt. Es werden u.a. die Gefühle und Wahrnehmungen eines Achtjährigen erzählt, der seine schöne Mutter liebt.
Aber irgendwann sitzt der kleine Peter auf dem Bahnsteig und wartet vergeblich auf seine geliebte Mutter. In den unsicheren Zeiten nach dem Krieg, wo alle Menschen wieder nach Normalität streben, läßt eine Mutter ihr Kind allein. Julia Franck schreibt aber auch die Lebensgeschichte der Mutter, Helene, und u.a. die Beziehung zu Ihrer älteren Schwester, in der es um Liebe, Macht, Abhängigkeit und Demütigung geht. Ein sehr gefühlvoll geschriebener Roman mit einigen Passagen großer Literatur, die noch auf weitere gut recherschierte Bücher hoffen läßt.

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Diese Artikel haben mir auch gefallen: Zeit der Leidenschft

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„Verwirrend, teils überfrachtet, irgendwie doch charmant und sprachlich imposant”

27.09.2007

Rezension von Whitefish aus Leipzig

Zwei Monate nach Ende des 2. Weltkrieges wird der kleine Peter von seiner Mutter Alice auf einem Bahnhof verlassen. Im Verlauf des Romans wird das Leben dieser Mutter, deren wahrer Name Helene Würsich ist, beschrieben.

Die erste große Frage, die sich mit dem Beginn des Romans stellt: Warum heißt Alice denn jetzt Helene? Die Antwort wird erst gegen Ende gegeben: Da sie halbjüdischer Abstammung ist, muss Helene eine neue Identität annehmen, die Papiere, die sie von Ihrem zukünftigen Mann Wilhelm erhält, sind auf Alice Schulze ausgestellt.

Helene wächst in Bautzen auf, das Verhältnis zu ihrer neun Jahre älteren Schwester Martha ist sehr innig. Während der Vater im ersten Weltkrieg an der Front ist, muss die die hochintelligente Helene lernen, seine Druckerei über Wasser zu halten. Die Mutter, eine Jüdin, lebt zurückgezogen und in ihrem Zimmer in einer eigenen versponnenen Welt.
Mit der Figur der Mutter verbunden ist der Titel des Romans: „Martha und Helene kannten die Geschichte von der Mittagsfrau, solange sie denken konnten, es lag etwas Tröstliches in ihr, weil sie nahe legte, dass es sich bei der mütterlichen Verwirrung um nichts anderes als einen leicht zu verscheuchenden Fluch handelte.“(S.142)

Der Vater kehrt schwer verletzt aus dem Krieg zurück und wird bis zum Tod von den Schwestern gepflegt.
Nach seinem Tod kommen die Schwestern in Kontakt mit ihrer wohlhabenden Berliner Tante Fanny. Aus einer Einladung wird ein dreijähriges Bleiberecht im aufregenden Berlin.
Helene, inzwischen auffallend hübsch geworden, lernt zunächst Carl kennen, beide wollen heiraten, dann jedoch verunfallt Carl tödlich. Helene heiratet Wilhelm, die Ehe ist lieblos, der Ehemann hart und ungerecht. Peter wird geboren, Helene arbeitet für ihren und den Lebensunterhalt des Kindes, weil ihr Mann es so verlangt.

Die Lebensabschnitte der Hauptfigur Helene sind sehr unterschiedlich beschrieben, fast hat man das Gefühl, man würde unterschiedliche einzelne Romane lesen, mir persönlich hat hier eine Ganzheit gefehlt. Andererseits wird das Leben von Helene durch sehr unterschiedliche Stationen geprägt, vielleicht wird dies von der Autorin bewusst so eingesetzt.

Die Beschreibungen sind detailreich, verwirrend, teilweise sehr intim. Die Sprache der Autorin von einem wahrlich beeindruckendem Wortschatz.
„Die Mittagfrau“ ist definitiv ein Buch für Frauen. Geheimnisvoll, charmant, dann wieder voller Härte und Schonungslosigkeit – eine interessante, aber auch sonderbare Komposition.

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